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Thema: Mit welcher (free?) Software meinen Raum per Mic ausmessen?

  1. #1

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    Mit welcher (free?) Software meinen Raum per Mic ausmessen?

    Habe Arta und Carma 4 gesehen, aber die sind eher zum Lautsprecher ausmessen?
    Ich möchte mit meinem AKG C414 (per Kugelcharakterisitk) am Ort, wo ich sitze vor meinen Neumann Monitoren KH 120, meinen Raum (zu Hause) ausmessen, um ggf. "böse" Frequenzen oder Probleme zu sehen graphisch.
    Selbst gebaut hatte ich mir einen Sinus-Ton Projekt in Cubase, was schon einige Aussagen gemacht hat. Jetzt möchte ich das ganze detailierter sehen.
    Welche Software könnt ihr empfehlen, gerne Demo oder free, da ich das nur 1x machen will
    Grüße, maz

  2. Nach oben    #2
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    Zuerst Metermaß und Gehör verwenden, dann einen Taschenrchner.

    Servus Maz,

    eingangs kurz zum Messmikrofon. Zwei Nierenkapseln Rücken an Rücken wie im AKG C414 verhalten sich auch parallel geschaltet immer noch wie zwei Nieren, nicht wie eine Kugelkapsel. Dies gilt insbesondere für die oberen und unteren Enden des Audio-Frequenzbereichs, wobei letzteres für Raummessungen besonders störend ins Gewicht fällt. Eine echte Kugelkapsel ist hier sehr empfehlenswert. Das mit Nieren- und Kugel-Wechselkapseln ausgestattete Behringer B-5 ist hier eine kostengünstige Lösung, wenn man auf einen kalibrierten Feldleerlauf-Übertragungsfaktor verzichten kann. Kalibrierte, als solche verkaufte echte Messmikrofone haben aus verschiedenen Gründen ein erhöhtes Eigenrauschen und sind wirklich nur zum Messen da, wohingegen das Behringer B-5 ein recht brauchbares und vielseitiges Aufnahmemikrofon ist.

    Wichtig ist auch die Frage, wie sinnvoll eine einzelne Messung überhaupt erscheint. Sollte sie deutliche Schwächen offenlegen, wird das wohl räumliche Maßnahmen zeitigen, die durch weitere Messungen überprüft werden sollten. Equalizer-Einstellungen können Welligkeiten von Lautsprechern korrigieren, sind aber gegen Schwächen im Raum ein schwacher Notbehelf für Live-Konzerte, falls man Dröhnfrequenzen ohne Rücksicht auf Verluste zu Leibe rücken muss.

    Jetzt kommt die gute Nachricht. Typisch möblierte Wohnräume sind vielfach sehr gut als Abhöre geeignet, selbst dann, wenn dies bei der Möblierung gar nicht gezielt berücksichtigt wurde. Kennt man die Abmessungen des Raumes und ermittelt einige Hallradien an verschiedenen Punkten, was in wenigen Minuten machbar ist, kann man damit schon eine Menge ausrechnen. Ergeben sich ähnliche Hallradien für tiefe und hohe Frequenzen und errechnen sich sehr kurze Nachhallzeiten, optimal unter der Haas-Grenze von 0,03 Sekunden, wird in den meisten Fällen die Berechnung der Schröder- oder Großraumfrequenz sehr niedrige Werte liefern und die berechnete Anzahl der Raumresonanzen unterhalb dieser Großraumfrequenz deutlich kleiner als 1 sein. Mit anderen Worten: Es gibt keine wirksamen. (Ich hatte noch nie welche, jahrelang mit mehr Glück als Verstand.) Akustische Raummessungen erübrigen sich dann ohnehin. Das gilt für einen Abhörraum auch, wenn die Schröderfrequenz unterhalb der unteren Grenzfrequenzen des Raumes und der Lautsprecher liegt, insbesondere deshalb, weil der Schalldruckabfall am unteren Ende des Übertragungsbereichs bei Bassreflexboxen sehr steil ist. Aufnahmeräume sollten natürlich am besten "bis ganz 'runter" neutral sein.

    Falls Handlungsbedarf besteht und Umstellen oder Befüllen vorhandener Einrichtung nicht genügt, sind Möbel aus dem Großmarkt wirkungsvoller als teure Akustik-Elemente. Regale und deren Inhalte sind breitbandige Allzweckwaffen zur Klangverbesserung und können kostengünstig ein sehr neutral klingendes Diffusfeld ergeben. Ähnlich wirksame Schröder-Maximalfolgen-Diffusoren mögen stylischer aussehen, kosten aber ein Vermögen und sind anderweitig zweckfrei - man kann halt kaum Bücher, CDs und so weiter 'reinstellen, erst recht nicht, ohne die Wirkung zu verschlechtern, die sie schon ohne haben. Die meisten als solche entworfenen Dämmkörper und Dämmmaterialien erzeugen selbst bei bestmöglicher Anbringung und Aufstellung Welligkeiten im Raumschall. Solche können – siehe oben – mit Equalizern nicht wirksam ausgeglichen werden, auch wenn einen das gerne glauben gemacht werden soll. Fast immer ist es viel hinausgeworfenes Geld für weniger als nichts, denn abmischen kann man danach meist schlechter als vorher.

    Viele Grüße

    capmaster

    Geändert von capmaster (18.02.2017 um 05:14 Uhr)

  3. Nach oben    #3

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    Zitat Zitat von capmaster Beitrag anzeigen
    Servus Maz,

    eingangs kurz zum Messmikrofon. Zwei Nierenkapseln Rücken an Rücken wie im AKG C414 verhalten sich auch parallel geschaltet immer noch wie zwei Nieren, nicht wie eine Kugelkapsel. Dies gilt insbesondere für die oberen und unteren Enden des Audio-Frequenzbereichs, wobei letzteres für Raummessungen besonders störend ins Gewicht fällt. Eine echte Kugelkapsel ist hier sehr empfehlenswert. Das mit Nieren- und Kugel-Wechselkapseln ausgestattete Behringer B-5 ist hier eine kostengünstige Lösung, wenn man auf einen kalibrierten Feldleerlauf-Übertragungsfaktor verzichten kann. Kalibrierte, als solche verkaufte echte Messmikrofone haben aus verschiedenen Gründen ein erhöhtes Eigenrauschen und sind wirklich nur zum Messen da, wohingegen das Behringer B-5 ein recht brauchbares und vielseitiges Aufnahmemikrofon ist.

    Wichtig ist auch die Frage, wie sinnvoll eine einzelne Messung überhaupt erscheint. Sollte sie deutliche Schwächen offenlegen, wird das wohl räumliche Maßnahmen zeitigen, die durch weitere Messungen überprüft werden sollten. Equalizer-Einstellungen können Welligkeiten von Lautsprechern korrigieren, sind aber gegen Schwächen im Raum ein schwacher Notbehelf für Live-Konzerte, falls man Dröhnfrequenzen ohne Rücksicht auf Verluste zu Leibe rücken muss.

    Jetzt kommt die gute Nachricht. Typisch möblierte Wohnräume sind vielfach sehr gut als Abhöre geeignet, selbst dann, wenn dies bei der Möblierung gar nicht gezielt berücksichtigt wurde. Kennt man die Abmessungen des Raumes und ermittelt einige Hallradien an verschiedenen Punkten, was in wenigen Minuten machbar ist, kann man damit schon eine Menge ausrechnen. Ergeben sich ähnliche Hallradien für tiefe und hohe Frequenzen und errechnen sich sehr kurze Nachhallzeiten, optimal unter der Haas-Grenze von 0,03 Sekunden, wird in den meisten Fällen die Berechnung der Schröder- oder Großraumfrequenz sehr niedrige Werte liefern und die berechnete Anzahl der Raumresonanzen unterhalb dieser Großraumfrequenz deutlich kleiner als 1 sein. Mit anderen Worten: Es gibt keine wirksamen. (Ich hatte noch nie welche, jahrelang mit mehr Glück als Verstand.) Akustische Raummessungen erübrigen sich dann ohnehin. Das gilt für einen Abhörraum auch, wenn die Schröderfrequenz unterhalb der unteren Grenzfrequenzen des Raumes und der Lautsprecher liegt, insbesondere deshalb, weil der Schalldruckabfall am unteren Ende des Übertragungsbereichs bei Bassreflexboxen sehr steil ist. Aufnahmeräume sollten natürlich am besten "bis ganz 'runter" neutral sein.

    Falls Handlungsbedarf besteht und Umstellen oder Befüllen vorhandener Einrichtung nicht genügt, sind Möbel aus dem Großmarkt wirkungsvoller als teure Akustik-Elemente. Regale und deren Inhalte sind breitbandige Allzweckwaffen zur Klangverbesserung und können kostengünstig ein sehr neutral klingendes Diffusfeld ergeben. Ähnlich wirksame Schröder-Maximalfolgen-Diffusoren mögen stylischer aussehen, kosten aber ein Vermögen und sind anderweitig zweckfrei - man kann halt kaum Bücher, CDs und so weiter 'reinstellen, erst recht nicht, ohne die Wirkung zu verschlechtern, die sie schon ohne haben. Die meisten als solche entworfenen Dämmkörper und Dämmmaterialien erzeugen selbst bei bestmöglicher Anbringung und Aufstellung Welligkeiten im Raumschall. Solche können – siehe oben – mit Equalizern nicht wirksam ausgeglichen werden, auch wenn einen das gerne glauben gemacht werden soll. Fast immer ist es viel hinausgeworfenes Geld für weniger als nichts, denn abmischen kann man danach meist schlechter als vorher.

    Viele Grüße

    capmaster
    Super, danke für die sehr detailierte Antwort Schreibe Dir eine PN.

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