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Thema: Gebrauchswert vor Denkmalschutz

  1. #1
    Premium-Mitglied Avatar von capmaster
    aus Südbayern
    229 Beiträge seit 10/2015
    Danke
    21

    Gebrauchswert vor Denkmalschutz

    Für manche mag es wie Ketzerei klingen, aber mir geht bei Gitarren Nutzwert vor Originalität. Wenn es Verbesserungen und vorteilhafte Neuerungen gibt, dann ziehe ich solche dem ursprünglichen Modell vor.

    Hierzu einige Beispiele:

    Auf einer Stratocaster kommt für mich nur ein Floyd-Rose-System infrage. Das Vintage-Vibrato und das kaum bessere Fulcrum-System sind für ernsthaften Einsatz bei hohem Anspruch an die Stimmstabilität unbrauchbar.

    Eine Telecaster muss sechs einstellbare Brücken haben. Nur drei davon für je zwei Saiten sind für vernünftige Intonation nicht ausreichend.

    Auch bei Les-Paul- und SG-Gitarren müssen für alles sechs Saiten kompensierbare Brücken oder – bei einfacheren Versionen – Brücken-Saitenhalter-Kombinationen sein.

    Noiseless-Tonabnehmer bevorzuge ich gegenüber Single-Coil-Tonabnehmern. Die meisten meiner entsprechenden Fender-Gitarren, die original mit HSS- oder SSS-Bestückung ausgestattet waren, habe ich auf Noiseless SSS umgerüstet. (Meine einzige SS-Tele war ab Werk Noiseless-bestückt, weshalb diese Variante keinen Umbau benötigte.)

    Mein bevorzugter Metallüberzug ist Chrom. (Leider hat Gibson inzwischen Chrom weitgehend ausrangiert...) Ich habe zwar auch Gitarren, die vollständig oder teilweise mit Nickel-Hardware oder vollständig mit vergoldeter Hardware ausgestattet sind, aber die Alterungsbeständigkeit von Chrom ist haushoch überlegen. Die Nickelüberzüge altern bei mir erheblich schneller als herkömmliche Gitarrensaiten.

    Obwohl ich ABR-Brücken toleriere – ich habe eine auf einer Les Paul, die leider wie bei ABR-bestückten üblich Nickel-Hardware hat - , bevorzuge ich die Nashville-Version, und das natürlich in Chrom.

    Hoffentlich habe ich jetzt keinen Krieg angezettelt – unter Gitarristen soll es ja eine Menge Traditionalisten geben.

    Aber immerhin haben Alex Lifeson (Rush) und Ian Crichton (SAGA) schon vor rund vierzig Jahren Strats auf Floyd Rose umbauen lassen, und Bruce Springsteen spielte vor über dreißig Jahren schon Teles mit sechs Brücken. Meine Meinung ist, dass sie genau wussten, warum

  2. Nach oben    #2
    Premium-Mitglied Avatar von Moogman
    aus 63110 Rodgau
    784 Beiträge seit 11/2011
    Danke
    37
    Ich bin zwar kein Gitarrist, sehe es aber genauso.
    Instrumente sind doch erst einmal zum Spielen da und wenn man etwas klanglich verbessern kann, dann sollte man das auch tun.

    fix it in the mix

  3. Nach oben    #3
    Avatar von Thaven
    aus 40 qm Deutschland
    769 Beiträge seit 11/2018
    Danke
    12
    Hi @capmaster,

    schön, dass ich einen 'Mitstreiter' gefunden habe...

    Ich bin da ähnlich, denn obwohl ich auf alte, wertvolle Instrumente stehe, habe ich meine 2008er Fender Strat Deluxe (HSS, Piezo) und meine 2016er Fender Baja Tele SS entsprechend aufgewertet, da ichs kann:

    1.) Die STRAT:
    - bekam 2 alte DiMarzio HS2 noiseless PUs (die auch Ritchie Kotzen in seiner Signature hat, die aber noch in der Bastelkiste lagen)
    - Die Fishman Piezo Elektrik habe ich modifiziert, sodass ich auch beim Ausfall der Batterie auf den magnetischen PUs weiterspielen kann
    - den Hals habe ich gegen einen Fender Maple ausgetauscht und Vintage locking Mechaniken montiert
    - das 6-Punkt Fishman Tremolo ist von mir so in der Balance eingestellt, dass die Gitarre selbst viel gespielt noch nach Tagen und Wetterwechsel die Stimmung hält.

    2.) Die TELE (obwohl ein 50ties Replicat) hatte mir Zuviel Chrom Bling-Bling, war anfangs völlig unbequem zu spielen, hat aber nen göttlichen Ton (trotz Brumm):
    - Brücke gegen eine Rockinger Double-Cut mit Oktav-kompensierten Messingreitern ausgetauscht, Madenschrauben gekürzt und abgefeilt (sonst blutiger Handballen!)
    - vorher die Elektrik nach allen Regeln der Kunst abgeschirmt, denn die Custom-Shop PUs sind im Ton nicht zu ersetzen!
    - Die Saitenlage und Aktion optimiert, Trusrod, Sattel nachgefeilt, ein hervorstehendes Bundstäbchen wieder reingekloppft
    - Die zu neu wirkende Chrom-Hardware mit 000er Stahlwolle leicht mattiert > vorsichtig über die Chrom-Teile fahren und zwar so, wie sie bei deren jahrelanger Benutzung auch entstehen würden ;-) ***
    - schwarzes, dickes Bakelit-Pickguard vom Rockinger (günstig!) montiert, da sich das ab Werk vorhandene bei den ersten Sonnenstrahlen auf dem Balkon gewellt hatte, ha, ha.
    - gegen die fehlende Bierbauchfräsung nehme ich ab...
    - An der fehlenden Arm-Rest Fräsung haben sich an meinem Unter-Arm Muskeln gebildet, anfangs hatte ich blaue Flecken auch an den Rippen, hehe

    Ich mag es, wenn meine Gitarren nicht mehr neu, sondern zumindest wie jahrelange gebrauchte Gitarren anfühlen und aussehen,
    aber in ihrer Funktion 1A sind.

    Bei meinen anderen Gitarren meist Partscaster, oder selbstgebaut geschraubt, bin ich nicht so zimperlich in der oben beschriebenen Methode und nehme keinerlei Rücksicht bei deren Benutzung, sind aber genauso gut in Bespielbarkeit und Funktion

    Ich denke, da könnte man sich lange drüber unterhalten..., gerne :-)

    LG Tom

    *** Edit: Nicht kreisen, da sonst Schlieren entstehen und es unnatürlich aussieht!

  4. Nach oben    #4
    Premium-Mitglied Avatar von Moogman
    aus 63110 Rodgau
    784 Beiträge seit 11/2011
    Danke
    37
    Zitat Zitat von Thaven Beitrag anzeigen
    Ich mag es, wenn meine Gitarren nicht mehr neu, sondern zumindest wie jahrelange gebrauchte Gitarren anfühlen und aussehen, aber in ihrer Funktion 1A sind.
    Das konnte ich noch nie nachvollziehen, warum viele Gitarristen ihre Instrumente absichtlich "kaputt" machen
    oder sich für eine Mörderkohle eine künstlich aberanzte "Relic"-Klampfe kaufen.
    Warum macht man das?
    Soll das Kompetenz signalisieren, "hey Leute, habe damit über 5000 Konzerte gespielt und seit 50 Jahren schläft meine Gitarre in meinem Bett ..."?

    Ich freue mich jedenfalls, wenn meine alten Synthesizer möglichst wenig Macken abbekommen.
    Gegen natürliche Patina, Verfärbungen und Abnutzungen kann man ja nicht viel machen, wenn man das Zeugs ständig spielt.
    Finde es auch okay, wenn ein altes Geräte auch so ausschaut, aber das sollte mit den Jahren wachsen und nicht künstlich passieren.
    fix it in the mix

  5. Nach oben    #5
    Avatar von Thaven
    aus 40 qm Deutschland
    769 Beiträge seit 11/2018
    Danke
    12
    Zitat Zitat von Moogman Beitrag anzeigen
    Das konnte ich noch nie nachvollziehen, warum viele Gitarristen ihre Instrumente absichtlich "kaputt" machen
    oder sich für eine Mörderkohle eine künstlich aberanzte "Relic"-Klampfe kaufen.
    Warum macht man das?
    Soll das Kompetenz signalisieren, "hey Leute, habe damit über 5000 Konzerte gespielt und seit 50 Jahren schläft meine Gitarre in meinem Bett ..."?

    Ich freue mich jedenfalls, wenn meine alten Synthesizer möglichst wenig Macken abbekommen.
    Gegen natürliche Patina, Verfärbungen und Abnutzungen kann man ja nicht viel machen, wenn man das Zeugs ständig spielt.
    Finde es auch okay, wenn ein altes Geräte auch so ausschaut, aber das sollte mit den Jahren wachsen und nicht künstlich passieren.
    Ich hab das wohl im Beitrag nicht genug herausgestellt.

    Ich gehe äußerst vorsichtig zu Werke, weil mir das Bling-Bling an neuen wertvolleren Instrumenten zu billig aussieht, wie ne billige Harley Benton, oder J&D früher! (Beispiel), oder eine ausm Kaufhaus (überspitzt)
    Wer es nicht weiß, sieht es kaum, es blitzt und blendet halt nicht mehr so.

    Gegen künstlich gemachtes, übertriebenes Vintage Relic habe ich auch was und mag hauptsächlich die natürlich gealterten alten Instrumente, oder die kunstvoll gemäßigt gemachten Relics aus dem Custom-Shop der großen Hersteller.

    Außerdem, soviel Selbstvertrauen habe ich gerade noch, dass ich niemandem mehr beweisen muß, wie gut ich spiele, das wird klar, wenn jemand meine ersten Töne hört... ;-)

    Und, die Musikerpolizei kann mich mal, da ich seit einiger Zeit ne günstige, aber sehr sehr gute HSH Harley Benton und eine tolle ergonomische Paula von LTD besitze und jederzeit damit auftreten würde, weil diese Instrumente einfach gut sind.
    Vor allem, nachdem ich sie in ihrer FUNKTION (für bessere persönliche Spieltechnik) aufgewertet habe!
    Das habe ich ja im vorherigen Beitrag etwas ausführlicher beschrieben.

    Aber Keyboarder und Pianisten denken da vielleicht ein bisschen anders, was ich auch verstehen kann, weil anderes Gerät und Funktion > geht wohl dann mehr in Richtung gutes Technik-Möbel, oder Auto...?
    Steckt ja auch mehr Technik drin.

    LG Tom

    Edit: Es ist halt ähnlich, wie mit Deinen Lieblings-Jeans, oder Deinen äußerst bequemen eingelaufenen Sneakers, oder... ;-)

    Übrigens, die leichte 'Schminke' auf meinen Gitarren fällt nach einer gewissen Zeit sowieso nicht mehr auf, da ich sie oft und regelmäßig spiele, sodass die Übergänge fließend sind...

    Ich kannte auch Gitarristen, die mehr Putzen und Hälse einölen, als dass sie üben und ihre guten Stücke verschlossen im Koffer versteckt haben.
    Meine hängen alle an der Wand, oder im Ständer im Musikzimmer, äh Wohnzimmer, jederzeit griffbereit. ;-)

    Geändert von Thaven (05.09.2019 um 15:45 Uhr)

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