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Thema: Eigene Übersetzung: Inwiefern Urheberrechtsverletzung?

  1. #1

    Eigene Übersetzung: Inwiefern Urheberrechtsverletzung?

    Hallo, liebe Forenmitglieder!

    Ich und einige Freunde nehmen gerne bekannte Songs und dichten sie um bzw. übersetzen sie in andere Sprachen: Englisch ins Deutsche, Hochdeutsch ins Mittelhochdeutsche, Spanisch ins Sächsische ... worauf wir gerade Lust haben. Uns ist kein Künstler und kein Genre heilig.

    Bisher haben wir das zum reinen Spaß betrieben und weder die Texte noch unsere privaten Aufnahmen von den übersetzten Liedern irgendwo veröffentlicht. Eigentlich hätten wir schon Lust, diese kreative Leistung mit anderen zu teilen.
    Nur bin ich ziemlich sicher, dass wir da das eine oder andere Urheberrechtsproblem bekommen könnten.

    Wisst ihr, wie es da rechtlich bei der (nicht-kommerziellen) Übersetzung urheberrechtlich geschützter Werke aussieht?

    Danke schon mal für die Antworten!

  2. Nach oben    #2

    aus Köln
    10 Beiträge seit 02/2019
    Moin BlueClues,

    das kommt ein bisschen drauf an, was du mit "veröffentlichen" meinst. Privat ist sowas schon ok. Aber selbst bei nicht-kommerzieller Verwendung muss man bestimmt vorsichtig sein, sobald du es veröffentlichen willst. Kenne mich da auch nur vage aus. Hast du schon was nähere rausbekommen?


  3. Nach oben    #3
    Kleine Auftritte im öffentlichen Raum, aber unentgeltlich, und evtl. auch Filesharing unserer Aufnahmen.

    Da hab ich hier ein paar interessante Infos zu gelesen:
    https://www.filesharingabmahnung.de/...-tauschboersen

    Bin aber immer noch nicht sicher, inwiefern die Übersetzung nun eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Da werde ich wohl weiterlesen müssen.

    Es sei denn, jemand hier weiß was genaueres.

  4. Nach oben    #4

    aus Niederösterreich
    84 Beiträge seit 12/2017
    Danke
    1
    Wurstel


    Wenn es um die Aufführung bei einem Konzert geht, dann ist das kein Problem, denn das wird über die Musikabgabe (in Österreich die AKM, in Deutschland die GEMA) abgerechnet. Da muß der Veranstalter die Veranstaltung anmelden und eine Titelliste (die auch stimmen muß!) an die Verwertungsgesellschaft (AKM bzw. GEMA) schicken.

    Anders ist das, wenn man sowas veröffentlichen (z. B. im Internet oder auf CD) will. Da unterscheidet man zwischen einem Cover und einer Bearbeitung.

    Einfacher ist es bei einem Cover. Da muß man nur einen Fixbetrag an Lizenzen an den Rechteinhaber bezahlen. Die Höhe dieses Preises ist gesetzlich bzw. vertraglich festgelegt. Nähere Informationen erteilt die AKM bzw. GEMA - die wissen auch, wer da der Rechteinhaber ist (zumindest dann, wenn die Lieder bei einer Verwertungsgesellschaft angemeldet worden sind; eher unbekannte lokale Bands machen das oft nicht, dann liegen bei den Verwertungsgesellschaften keine diesbezüglichen Daten auf). Hier gibt es also klare Verhältnisse: Der Rechteinhaber kann bei einem Cover die Veröffentlichung auch nicht verbieten, er hat nur Anspruch auf die Lizenzgebühr.

    Bei einer Bearbeitung hingegen ist es so, daß der Rechteinhaber (unter Umständen auch der Urheber) die Veöffentlichung untersagen kann. Hier muß man nämlich den Rechteinhaber um Erlaubnis fragen, ob man das Stück veröffentlichen darf. In der Regel wird da verlangt, daß man dem Rechteinhaber das Lied zukommen lassen muß, wonach er dann entscheidet, ob er die Veröffentlichung zuläßt. Es kann auch sein, daß der Rechteinhaber für diese Erlaubnis ein Extrageld haben will, das über die Lizenzgebühren hinausgeht. Allerdings hat das Ganze auch einen Vorteil: Bei einer Bearbeitung wird man als Mitkomponist oder -texter genannt und ist an den Lizenzeinnahmen von öffentlichen Aufführungen und auch bei Sendung im Rundfunk und Fernsehen beteiligt, was bei einem Cover nicht der Fall ist.

    Es wird manchmal vor Gericht gestritten, ob es sich bei einer bestimmten Aufnahme um einen Cover oder um eine Bearbeitung handelt. Fest steht allerdings: Wird zu einem Lied ein neuer Text geschrieben, dann ist das auf jeden Fall eine Bearbeitung.

    Die Veröffentlichung eines Covers ohne Bezahlung der Lizenzgebühr bzw. die Veröffentlichung einer Bearbeitung ohne Erlaubnis des/der Rechteinhaber/s stellt eine Urheberrechtsverletzung dar und ist mit Strafe bedroht. Wobei die Strafen nach dem österreichischen Urhebergesetz zwar nicht sehr hoch sind, aber üblicherweise pflegen die Plattengesellschaften bzw. -verlage da auf Schadenersatz zu klagen (Zivilverfahren) und die Klagswerte gerne unbotmäßig hoch (die gehen da gerne davon aus, daß man 25.000 CDs verkauft hat und berechnen davon die Lizenzgebühren - beweise mal das Gegenteil!) zu setzen. Es gibt auch Anwälte, die das Internet (vor allem YouTube) nach Urheberverletzungen durchforsten und in Eigenregie tätig werden, das heißt, sie schreiben demjenigen, der die Musik hochgeladen hat, einen Brief mit einer hohen Geldforderung und einer zu unterschreibenden Unterlassungserklärung (da wird oft empfohlen, diese nicht zu unterschreiben), andernfalls Klage und Anzeige erstattet wird; solche Abmahnanwälte gelten als schwarze Schafe.

    Infos dazu (aus Österreich, Schweiz und Deutschland):
    https://fm4v3.orf.at/stories/1691513/index.html
    http://www.respectcopyright.ch/de/ma...arbeitung.html
    https://www.alle-noten.de/magazin/ur...cht-und-musik/


    Wurstel

  5. Nach oben    #5
    Avatar von MS-SPO
    137 Beiträge seit 10/2017
    Danke
    12
    Zitat Zitat von BluesClues Beitrag anzeigen
    Hallo, liebe Forenmitglieder!

    Ich und einige Freunde nehmen gerne bekannte Songs und dichten sie um bzw. übersetzen sie in andere Sprachen: Englisch ins Deutsche, Hochdeutsch ins Mittelhochdeutsche, Spanisch ins Sächsische ... worauf wir gerade Lust haben. Uns ist kein Künstler und kein Genre heilig.

    Bisher haben wir das zum reinen Spaß betrieben und weder die Texte noch unsere privaten Aufnahmen von den übersetzten Liedern irgendwo veröffentlicht. Eigentlich hätten wir schon Lust, diese kreative Leistung mit anderen zu teilen.
    Nur bin ich ziemlich sicher, dass wir da das eine oder andere Urheberrechtsproblem bekommen könnten.

    Wisst ihr, wie es da rechtlich bei der (nicht-kommerziellen) Übersetzung urheberrechtlich geschützter Werke aussieht?

    Danke schon mal für die Antworten!
    Gute Fragen für einen Juristen

    Von juristischem Laie zu juristischem Laien hier ein paar Eckpunkte.

    A ) Das Urheberrecht schützt geistige Schöpfungen. Jedes Land hat nationale Urhebergesetze. Zusammen mit der nationalen Rechtssprechung, als Auslegung ebendieser Gesetze, ergeben sich daraus nationale und internationale Urheberrechte. Ihr arbeitet also in einem juristischen Minenfeld ...

    B ) Das deutsche Urheberrecht kennt neben dem Schöpfer auch dessen Gehilfen. Gehilfen mögen viel tun, jedoch schöpfen sie nichts Eigenständiges. Wer also eine Text lediglich übersetzt, ist, abhängig von den genauen Umständen, meistens nicht schöpferisch tätig. Diese Unterscheidung ist wichtig, um die Rechte beim Schöpfer zu verorten (z.B. einem Texter in Spanien), oder um zu erkennen, dass bestimmten Akteuren Miturheberrechte entstanden. Möglicherweise bleibt Ihr ja auf der Gehilfenebene (was Rechtsfolgen nicht weniger schlimm macht) ?

    C ) Ich erinnere Ausnahmen im deutschen Urhebergesetz für Schulen u.ä. Einrichtungen. Auch einige wenige private Handlungen sind ausnahmsweise erlaubt. Bei der Frage, ab wann oder ab wieviel Mitmenschen "Öffentlichkeit" entsteht, würde ich sehr vorsichtig davon ausgehen, dass bereits 1 fremder Rezipient des schöpferischen Werkes Öffentlichkeit herstellt. Ver-youtuben, ver-öffentlichen usw. stellt mit Sicherheit Öffentlichkeit her.

    D ) Welchen Schaden verursacht Ihr wem, in welcher Höhe? Das wäre zu klären. Das zielt auf die Nutzung ab, die der Rechteinhaber auch bei 0 € Schadenshöhe immer gewähren oder untersagen kann. Lies doch einmal den Gestzesabschnitt über Strafen gegen Rechteverletzer.

    E ) Ich kann mich nur wiederholen. In den Naturwissenschaften kann man Regeln und Gesetzmäßigkeiten aufstellen der Art "unter Bedingungen A,B,C kommt immer X,Y,Z mit folgender Ungenauigkeit heraus." Bei Rechtsfragen ist das vollständig anders: Der Einzelfall entscheidet. Was ich in der Regel als Frage lese, ist ausformuliertes Wunschdenken, dem die wenigsten Richter folgen werden.

  6. Nach oben    #6
    @Wurstel

    Danke für diesen aufschlussreichen Post.

    Ich wusste, dass rechtliche Unterschiede zwischen Cover und Bearbeitung gemacht werden, war mir aber nicht sicher, wie diese konkret aussehen. Jetzt bin ich da schon etwas schlauer.

    Zitat Zitat von MS-SPO Beitrag anzeigen
    Gute Fragen für einen Juristen

    E ) Ich kann mich nur wiederholen. In den Naturwissenschaften kann man Regeln und Gesetzmäßigkeiten aufstellen der Art "unter Bedingungen A,B,C kommt immer X,Y,Z mit folgender Ungenauigkeit heraus." Bei Rechtsfragen ist das vollständig anders: Der Einzelfall entscheidet. Was ich in der Regel als Frage lese, ist ausformuliertes Wunschdenken, dem die wenigsten Richter folgen werden.
    Da kann ich dir nur zustimmen. Ich bin selbst ein bisschen im juristischen Feld tätig - allerdings nicht im Urheberrecht - und weiß, dass kein Gesetz jeden Einzelfall abdecken kann. Wäre das der Fall bräuchten wir keine Richter, die entscheiden. ^^

  7. Nach oben    #7
    Avatar von MS-SPO
    137 Beiträge seit 10/2017
    Danke
    12
    Zitat Zitat von BluesClues Beitrag anzeigen
    Da kann ich dir nur zustimmen. Ich bin selbst ein bisschen im juristischen Feld tätig - allerdings nicht im Urheberrecht - und weiß, dass kein Gesetz jeden Einzelfall abdecken kann. Wäre das der Fall bräuchten wir keine Richter, die entscheiden. ^^


    Am besten einmal hier nachschauen: https://dejure.org/gesetze/UrhG , und dort in die Urteile schauen, z.B. zu "Bearbeitung und Umgestaltung" https://dejure.org/gesetze/UrhG/23.html . Ggf. kostenlos registrieren, um alle Urteile sehen zu können.

    Mit ein bischen Fleiß und Notizen bekommt man einen ganz guten Eindruck über die sog. "gängige Meinung". Also über das, woran Richter sich orientieren, vgl. Urteils-Tenor, nicht "Du und ich"

    Grüße, MS

  8. Nach oben    #8
    Premium-Mitglied
    66 Jahre alt
    aus Bad Pyrmont
    399 Beiträge seit 05/2010
    Danke
    5
    (sorry, falls ich etwas wiederhole, was schon gesagt wurde...)

    a) öffentliche Konzerte (gegen Gage/Eintritt oder umsonst spielt keine Rolle) sind lizenzpflichtig (in Deutschland: GEMA); das ist eigentlich Sache des jew. Veranstalters.

    b) übersetzte Texte brauchen die Genehmigung der Urheber des Originals. Bei bekannten Titeln sind diese durch ihre Musikverlage vertreten (das kann man in der GEMA-Datenbank recherchieren). Das kann SEHR kompliziert werden.

  9. Nach oben    #9

    aus Köln
    10 Beiträge seit 02/2019
    Oh wow, da kennen sich aber einige deutlich besser aus als ich

    Zitat Zitat von Wurstel Beitrag anzeigen
    Wurstel

    Es wird manchmal vor Gericht gestritten, ob es sich bei einer bestimmten Aufnahme um einen Cover oder um eine Bearbeitung handelt. Fest steht allerdings: Wird zu einem Lied ein neuer Text geschrieben, dann ist das auf jeden Fall eine Bearbeitung.
    Wurstel
    Wie sehr kann man sich denn auf solche Urteile verlassen? Die sind ja auch nicht universal anwendbar? Bzw. hast du ein konkretes Urteil? Würde mich interessieren


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