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Thema: Rat fürs Üben

  1. #1

    Rat fürs Üben

    Hallo!

    Immer wenn ich meine Lieblingsmusik höre, kommt in mir der Wunsch, Sänger und Musiker zu werden.
    Geht euch das auch so?

    Nun hab ich nach 3 Wo Gesangsunterricht aufgehört, weil es keinen Spaß macht, täglich Gesangsübungen zu wiederholen und sich in mir Widerstände breit machen. Ich muss mich immer überwinden. Also es sein lassen. Dabei war ich zu Beginn hochmotiviert und ehrgeizig.

    Wenn ich meine Lieblingslieder am Klavier spielen und singen lerne, also so oft wiederhole bis es fehlerfrei ist, man sich Takt für Takt vorarbeitet, dann verliert man auch den Gefallen am Lied weil die schönen Gefühle dahin sind.

    Es gefällt mir, nach Lust und Laune zu spielen, zu improvisieren, Gefühle am Klavier auszudrücken, wunderschöne Akkorde zu genießen. Aber um besser zu werden, muss man Stücke lernen usw. das ist Arbeit und dann vergeht einem die Lust. :-(

    Dann träume ich, dass ich Musiker werde, Lieder komponiere und in einer Bar singe und spiele, es den Leuten gefällt und eine Freude macht.

    Ich frage mich, wie es euch geht und welche Strategie ihr habt, dass ihr viel und gerne übt, weil ich frustriert bin und es sein hab lassen, mich täglich überwinden zu müssen, um nach Jahren der Übung und Unterricht, meinen Wunsch und Traum, näher gekommen zu sein.
    Vielleicht ist es auch nicht das Richtige für mich, wenn ich mich immer überwinden muss.

    Mfg
    Chris

  2. Nach oben    #2
    Avatar von MS-SPO
    93 Beiträge seit 10/2017
    Danke
    3
    Hallo Chris,

    die Antworten auf Deine Fragen wirst Du finden. Hier ein paar Gedankenanstösse.

    Was unterscheidet den Amateur vom Profi? Der Amateur übt so lange, bis er es kann (ein Stück, eine Passage, eine Technik). Der Profi übt so lange, bis er es nicht mehr falsch machen kann.

    Als Schlagzeuger habe ich es genau anders erlebt, als Du Deinen Weg beschreibst. Dieses Instrument hatte für mich nach kurzer Zeit einen hohen Suchtfaktor. Rückblickend war es für mich ein wenig wie sprechen lernen: Erst Buchstaben und Silben (kurze Pattern), dann Worte (Takte, Stücke), dann Gedanken. Auch wenn ich noch weit vom Profi-Stadium weg bin, ist es für mich im Moment so, als ob ich über mein Instrument spreche und Gedanken wie Gefühle ausdrücke. Und das bewegt andere, wörtlich

    Ein Ansatzpunkt für Deinen Frust oder Widerwillen zum Üben könnte es sein, diese als Ergebnisse von Gewohnheiten aufzufassen. Vgl. dazu Duhigg "Die Macht der Gewohnheit". Er vertritt die Auffassung, dass Gewohnheiten an sich weder gut noch schlecht sind, und vor allem, dass wir sie beeinflussen können. Wie, das beschreibt er sehr konkret in https://www.amazon.de/Die-Macht-Gewo...+Gewohnheit%22 . Wichtig ist dabei nicht die Brechstange, sondern ein eher liebevoller Umgang mit sich selbst - sag' ich

    Was sagt denn Deine Umgebung zu Deinen Improvisationen?

    Güße, Michael


  3. Nach oben    #3
    Avatar von Calacirya
    aus Thüringen
    63 Beiträge seit 10/2016
    Danke
    1

    Möglichst fehlerfrei werden

    wobei, was ist fehlerfrei, man kann sich immer verbessern.
    So sehe ich das.
    Ich habe auch diesen Ehrgeiz, besser zu werden, auf den Instrumenten (git, mand) und mit der Stimme.

    Auch ist viel bei mir Gewohnheit. Ich fühle mich unwohl, wenn ich zwei Tage nicht spiele. Vielleicht hat es auch was mit Stress-Abbau zu tun da ich auch politische Lieder singe (laut, wenns geht).

    Als Kinder mußten wir üben. Ich habe aber auch immer gerne gelernt, jedenfalls, was die musischen Fächer anging. Ich hatte Notenlesen und Gehörbildung schon recht früh.
    Danach konnte ich nicht weiter machen, obwohl mir die Musiklehrer empfohlen, weiter zu machen, wir waren eine arme Familie und wir hatten kein Geld, um mich die Laufbahn eines Orchestermusikers einschreiten zu lassen. Das finde ich jetzt im Nachhinein, schade.
    Ich habe mir Zeit meines Lebens dann weitergehend, alles abgeguckt; Akkorde auf der Gitarre, Rhythmus-Techniken, später die anderen Instrumente, einfach weil ich das wollte. Da hätte mich niemand von abhalten können.

    Vielleicht liegt dir das nicht so im Blut. Deiner Frage entnehme ich, daß du eher auf die Gefühle "abfährst", bei der Musik, so war das bei mir nicht, am Anfang stand bei mir das Können, und erst dann, wenn "es fließt", dann kommen die Gefühle beim Musikmachen.

    Also ich würde an deiner Stelle regelmäßig - täglich - üben und wenn das zur Quälerei wird, würde ich es sein lassen.
    Am besten auch immer zur selben Zeit.

    gruß, Calacirya

  4. Nach oben    #4
    Avatar von MS-SPO
    93 Beiträge seit 10/2017
    Danke
    3
    * "(...) Wenn ich meine Lieblingslieder am Klavier spielen und singen lerne, also so oft wiederhole bis es fehlerfrei ist, (...)" (chris)
    * "(...) wobei, was ist fehlerfrei, man kann sich immer verbessern. (...) " (Calacirya)
    * "(...) Der Amateur übt so lange, bis er es kann (ein Stück, eine Passage, eine Technik). Der Profi übt so lange, bis er es nicht mehr falsch machen kann. (...)" (MS-SPO)

    Es gibt einen Unterschied zwischen Fehlerfreiheit und Störunempfindlichkeit: Fehler aller Art entstehen durch Störungen aller Art.

    "(...) Also ich würde an deiner Stelle regelmäßig - täglich - üben und wenn das zur Quälerei wird, würde ich es sein lassen.
    Am besten auch immer zur selben Zeit. (...)" (Calacirya)

    Das wäre eine Gewohnheit. Ob und wie gut sie wirkt, hängt von der Gewohnheitsschleife ab, die bei chris zum Frust führt. Das ist aus der Ferne nicht leicht zu durchschauen. Ich übersetze einmal nach Duhigg, als Näherung.


    Am Anfang steht ein __Auslöser__, den wir hier nicht kennen können, und den chris durch Beobachtungen für sich klären kann. Der Auslöser könnte ein Termin, ein Empfinden, ein anderer Menschen, eine Situation usw. sein.

    Nach dem Auslösen läuft chris' __Gewohnheitsschleife__ ab: Sie beginnt mit Üben und endet mit der __Belohnung__, dem Frust. Warum das wofür belohnend ist, klärt chris wieder durch Beobachten. (Wäre das nicht lohnend, liefe diese Schleife gar nicht erst ab.)

    Tritt der Auslöser für diese Frust-Gewohnheit wieder auf, wird die Schleife wieder durchlaufen, bis zur Belohnung, dem Frust. Je gewohnter diese Schleife wird, desto mehr und ausgeprägter tritt praktisch zeitgleich mit dem Auslöser, schon lange vor der __Belohnung__, das __Verlangen__ nach der Belohnung auf: Sie wird, also der Frust wird, schon schmachtend vorweggenommen.

    Nach Duhigg können wir das trotzdem beeinflussen. Nach dem Beobachten und Erkennen verändert man die Gewohnheit, so dass die wahre Belohnung mit ihr auch erreicht wird.

    Beispiel: Duhigg selbst nahm an Gewicht zu, während er sein Buch schrieb, was seine Frau in weiblicher Art zur Sprache brachte. Er konnte letztendlich für sich herausarbeiten:
    * Auslöser: Uhrzeit (ca. 15:30)
    * Gewohnheit: in die Cafeteria gehen und einen Keks verputzen
    * Belohnung: er war dort
    * scheinbares Verlangen: "ich muss jetzt für den Keks in die Cafeteria gehen".

    Er bemerkte, dass es nicht wirklich um den Keks ging. Denn: er traf dort Kollegen, mit denen er gerne ins Gespräch kam. Also:
    * wahre Belohnung: mit netten Kollegen sprechen.
    * veränderte Gewohnheit: beim Auslöser (15:30) aufstehen, im Büro umsehen und mit einem gesprächsbereiten Kollegen Kontakt aufnehmen.

    Damit:
    * unveränderter Auslöser: Uhrzeit
    * neue und passende Gewohnheit: aufstehen, umgucken, ansprechen
    * wahre Belohnung: das nette Gespräch
    * wahres Verlangen (beim Auslösen): Sehnsucht nach diesen Gesprächen
    * Folge: der Keks war von nun an überflüssig.

    Fazit: Gewohnheiten verändern, ja, aber sinnvoll erst nach Einsicht in die wirklichen eigenen Verhältnisse. Und Ja, es dauert ein wenig.


    Duhigg zitiert weitere erfolgreich verändete Gewohnheitsschleifen, z.B.:
    * Ein Football-Team wandelt sich vom Verlierer zum Tabellenführer (Auslöser: meine Spieler lesen)
    * Eine Aluminiumgießerei mit ehemals hoher Unfallrate wird ungemein erfolgreich (Auslöser: Unfallgefahr! )
    * Ein innovatives Produkt wird vom Ladenhüter zum Verkaufsschlager (Auslöser: Hausarbeit beendet)
    * Ein Weltrekordsschwimmer trotz Widrigkeiten (Auslöser: vorweggenommene Situation)

    "Die Macht der Gewohnheit"

  5. Nach oben    #5
    Avatar von Calacirya
    aus Thüringen
    63 Beiträge seit 10/2016
    Danke
    1
    "Es gibt einen Unterschied zwischen Fehlerfreiheit und Störunempfindlichkeit: Fehler aller Art entstehen durch Störungen aller Art."

    so weit ist der thread ersteller ja noch lange nicht, ihm fehlt anscheinend JEDE Übungsroutine, und auch jeder Bezug dazu, daß nur Übung zu Können führt. Das erinnert mich so ein bisschen an die Frage, ob es noch bildende Kunst ist, wenn Affen was auf die Leinwand schmieren; sieht ja teilweise auch ganz nett abstrakt aus.

    Also sorry auf so einem Niveau diskutier ich nicht. Entweder man will was lernen, oder man will nicht. Hier scheint der Fall vorzuliegen, daß jemand eher nicht will. Wenn die Gewohnheit zum Frust führt, soll er es sein lassen, dann wird das nix mehr. Dann will er auch nicht.

    C.

  6. Nach oben    #6
    Premium-Mitglied Avatar von Moogman
    aus 63110 Rodgau
    596 Beiträge seit 11/2011
    Danke
    18
    Man kann einfach nicht erwarten, das man nach drei Wochen schon irgendwas perfekt lernen kann.
    Anscheinend hat heute niemand mehr Zeit und Ausdauer, niemand will noch lernen. Wozu auch, man kanns ja auch googlen.
    Nur mit Musik funktioniert das eben nicht.
    Aber wenn man dann diesen gewissen Punkt erreicht, macht es auch Spaß und es ist ein Ansporn noch besser zu werden.
    fix it in the mix

  7. Nach oben    #7

    aus Baden-Württemberg
    9 Beiträge seit 10/2010
    Zitat Zitat von chris2018 Beitrag anzeigen
    Hallo!

    Immer wenn ich meine Lieblingsmusik höre, kommt in mir der Wunsch, Sänger und Musiker zu werden.
    Geht euch das auch so?

    Nun hab ich nach 3 Wo Gesangsunterricht aufgehört, weil es keinen Spaß macht, täglich Gesangsübungen zu wiederholen und sich in mir Widerstände breit machen. Ich muss mich immer überwinden. Also es sein lassen. Dabei war ich zu Beginn hochmotiviert und ehrgeizig.

    Wenn ich meine Lieblingslieder am Klavier spielen und singen lerne, also so oft wiederhole bis es fehlerfrei ist, man sich Takt für Takt vorarbeitet, dann verliert man auch den Gefallen am Lied weil die schönen Gefühle dahin sind.

    Es gefällt mir, nach Lust und Laune zu spielen, zu improvisieren, Gefühle am Klavier auszudrücken, wunderschöne Akkorde zu genießen. Aber um besser zu werden, muss man Stücke lernen usw. das ist Arbeit und dann vergeht einem die Lust. :-(

    Dann träume ich, dass ich Musiker werde, Lieder komponiere und in einer Bar singe und spiele, es den Leuten gefällt und eine Freude macht.

    Ich frage mich, wie es euch geht und welche Strategie ihr habt, dass ihr viel und gerne übt, weil ich frustriert bin und es sein hab lassen, mich täglich überwinden zu müssen, um nach Jahren der Übung und Unterricht, meinen Wunsch und Traum, näher gekommen zu sein.
    Vielleicht ist es auch nicht das Richtige für mich, wenn ich mich immer überwinden muss.

    Mfg
    Chris
    Hi Chris,

    und wovon wirst du dann in Zukunft deine Miete zahlen? Der Musikerberuf ist nun wahrlich keiner, bei dem man einfach fröhlich und unbeschwert in den Tag bzw. die Nacht hineinspielt und tut und läßt, was man gerade möchte. Da steckt eine Menge harter Arbeit dahinter. Vielleicht solltest du deinen Berufswunsch etwas realistischer betrachten ;-)

    Zum singen: Vielleicht paßt auch einfach der/die GesangslehrerIn nicht? Manche arbeiten ja sehr viel mit Gesangsübungen, andere kombinieren das gleich mit der Arbeit an Songs. Man kann schon viel Technik direkt an Stücken erarbeiten, aber ohne Fleiß halt auch kein Preis.


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