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Thema: Lampenfieber und Auftrittsangst

  1. #1

    Lampenfieber und Auftrittsangst

    Liebe Musikerinnen und Musiker,

    ich bin Journalistin für BR Klassik und produziere gerade ein Feature zum Thema Lampenfieber, Leistungsdruck und psychische Belastungen von Musikerinnen und Musikern. Da übt man 20-25 Jahre sein Instrument und bewirbt sich mit vollen Enthusiasmus auf diese eine freie Stelle im Orchester - mit 100 anderen Bewerbern. Das ganze Leben hat man ins Üben investiert und muss sich nach dem Studium weiter beweisen. Viele gestresste Musiker nehmen deswegen Betablockern, Amphetaminen, Tranquilizern um dem Druck standzuhalten.

    Über dieses Thema möchte ich mich gerne mit Euch unterhalten. Welche Erfahrungen habt ihr gesammelt? Welche Geschichten habt ihr von anderen Musikern gehört? Oder ist das gar nicht so schlimm wie die Musikmediziner sagen?

    Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion,

    Juliane Sauter

  2. Nach oben    #2
    Hallo Juliane,

    das ist sicher für Jede/n unterschiedlich.

    Dass ich eine "Rampensau" bin, merkte ich vor langer Zeit bei einem Messebesuch. Dort gab es einen Stand mit Mikrofon. Aufgabe: Stelle Dich davor, lass' Dir aus dem Publikum ein paar Stichworte geben und halte eine Stehgreifrede. "Warum nicht?", dachte ich. Woran ich mich erinnere: Ich badete in einem Meer aus Augenpaaren ... erwartungsvolle, zustimmende, augenrunzelnde, glänzende, beglückte ... . Mehr hab' ich nicht wahrgenommen - und das war ein schönes Erlebnis.

    Heute habe ich bei Vorträgen meine Gedanken geordnet, das Thema aufbereitet, weiß, was ich kann und wie ich wirke oder Wirkung erziele. Als Amateurmusiker bei Auftritten weiß ich um mein Können, merke, wann ich wie wen meiner Mitmusiker phasenweise unterstützen muss, bevor ich selbst vom erweiterten Metronommodus zum Spielen wechseln kann. Meine Geheimwaffe: Zuhören beim eigenen Tun, die Musik gemeinsam zum Glänzen bringen. Ich nehme gerne vorher, während oder hinterher Kontakt mit meinem Publikum auf. Ein kurzes Gespräch, die Reaktion auf ein einfaches Pattern, egal: Wir "reden" ja irgendwie miteinander. Und wenn dann der Eine oder die Andere in rhytmische Bewegungen auf meine Darbietung verfällt ... ist doch schön ; -)

    Für mich ist musizieren eine andere Art, zu "sprechen", Gedanken, Gefühle oder Stimmungen auszudrücken.

    Bei meinen Mitmusikern kann ich beobachten, dass Routine ihr Gutes tut. Steht Jemand oft "vorne", egal in welcher Rolle, wird so etwas normal. Ich kenne aber auch Jemanden, da ist die Singstimme toll und passt zur Band, und dennoch: Nervosität vor dem Auftritt ohne Ende, nur flüssig oder räuchernd einzudämmen ...

    Es ist sicherlich wichtig, was für Einen selbst davon abhängt - und da ist die persönliche Lebensgeschichte immer ein großer Teil davon. Mach' ich Musik nur zum Spaß, kann ich's mir einfach machen. Muss ich damit meinen Lebensunterhalt oder gar meinen Luxus verdienen, kann das mental einen Unterschied machen, muss es aber nicht. Konnte ich es "noch nie Jemandem Recht machen", dann wirkt sich das sicher auch auf mein Tun und Fühlen im Rampenlicht aus.

    Meinen Mitmusikern gebe ich gerne drei Tipps: A) Pokerface aufsetzen, wenn Du Dich verspielst und denken "Wisst Ihr eigentlich, WIE LANGE (also 2 Millisekunden) ich dran geübt habe, dass es genau SO klingt ? !" und B) Wenn's schief klingt ist es eben Jazz (oder Blues oder wasauchimmer) und C) Wahrscheinlich bist Du/sind wir die Einzigen, die überhaupt wissen, dass das jetzt "falsch" gespielt war... Also steh' auch nicht da wie in Sack und Asche und mach' 'was draus: Jetzt, in dieser Achtelnote, denn die ist gleich vorbei .... Mut zur Tücke, so entstand schon viel Gutes ; -)

    Nun, ich hab's einfach: Ich muss nicht im Mittelpunkt stehen, ich bin Schlagzeuger ; -)

    ("Der zarteste Drummer, den ich kenne", sagt eins meiner Bandmitglieder ; -)

    Grüße, Michael


  3. Nach oben    #3
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    Ich bin Berufsmusiker und hatte noch nie Lampenfieber, auch nicht bei größeren Events vor einigen tausend Menschen.
    Man ist gut vorbereitet, hat fleißig geprobt, die Technik mehrfach gecheckt und möglichst alle Fehlerquellen ausgemerzt -mehr kann man doch nicht tun.
    Warum sollte ich Angst vor irgendwas haben? Das ich mich vielleicht verspielen könnte?

    Musik ist Kommunikation und im Dialog mit anderen Menschen ist niemals jedes Wort perfekt gewählt.
    Nein, vor seinem Auftritt muss man keine Angst haben, das wird einen sicherlich nicht töten.
    Okay, wenn die ersten Klopapierrollen auf die Bühne fliegen, sollte man besser aufhören, danach folgen die Bierflaschen.

    Das Amerika 6800 Atomsprengköpfe besitzt, wovon 4000 jederzeit einsatzbereit sind und die von einem kleinen Bub aus gestartet werden können, das könnte einem vielleicht schon eher etwas Angst machen.
    Aber nicht das Publikum.
    fix it in the mix

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