Musiker-Shop:  
  
+ Auf Thema antworten
Ergebnis 1 bis 9 von 9

Thema: Solokadenz

  1. #1

    Dabei seit
    04/2012
    Beiträge
    2

    Solokadenz

    Ich hätte da mal so ne Frage:
    Im nibis steht, dass man über Solokadenzen im 19 Jh. bescheid wissen muss (für das Abi). Tjaaaa, im Internet und in meiner Mappe finde ich eigentlich nur die normale Kadenz (T-S-D-T). Also ist Kadenz = Solokadenz? Oder wie ist das? Wär schön, wenn mir wer helfen kann, der es weiß. Danke :*

  2. Nach oben   #2
    Premium-Mitglied
    Dabei seit
    02/2012
    Ort
    Hamburg-Uhlenhorst
    Beiträge
    212
    Zitat, Google-Suche, zweiter Treffer
    Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts endet die tradierte Praxis, dem Solisten die Ausführung einer improvisierten Solokadenz im Klavierkonzertsatz freizustellen. Stattdessen gehen die Komponisten dazu über, Solokadenzen selbst auszukomponieren und sie dem Notentext des Konzerts an entsprechender Stelle beizufügen. Damit werden diese auskomponierten Improvisationen zu einem unverrückbaren, integrierten Bestandteil der Komposition.
    Die Betonung liegt hier auf "Solo" und "Kadenz".
    Zum Komponieren einer Kadenz gibt es verschiedenste Kadenztechniken. Siehe Wikipedia.
    Solo erklärt sich im o.a. Zitat bzw. von alleine.

    Da fällt mir auch gerade noch ein: Müsst ihr fürs Abi nicht auch selber eine Kadenz komponieren?
    Learning by Doing, das ist der beste Weg das Thema zu verstehen.
    So schwierig ist das nicht, mit ein paar Minuten am Tag ist das durchaus alles machbar.
    Kopf hoch, dran bleiben, Kadenzen braucht ein Musiker definitiv noch häufiger nach dem Abi.


  3. Nach oben   #3
    abgemeldet
    Dabei seit
    08/2011
    Beiträge
    272
    Also - Du verwechselst offensichtlich den Begriff Kadenz aus der Satzlehre mit dem Begriff der Solokadenz aus dem Bereich der aufführungspraktischen Improvisation.

    In der Satzlehre gibt es die Hauptkadenzen (wie Du sie angegeben hast mit T - S - D - T) und die erweiterten Kadenzen, die bis in Regersche Dimensionen ausarten können (T - D - Tp - Sp - ZwD->Tp - S ...)

    Dagegen stellt die Solokadenz im Ursprung eine improvisierte Solodarbietung des Solisten in einem Solokonzert dar. Meistens wurde sie am Ende des ersten und dritten Satzes dargeboten. Man sollte sie von ihrer Grundidee her als ein typisches Merkmal des Kontrastes ansehen. Zuerst der durchkomponierte Satz mit Orchester und Solisten, dann die freie Improvisation des Solisten und dann der gemeinsame, große Schluss.
    Den Höhepunkt erreicht dieses Konzept mE mit Mozart. Dort ist die Solokadenz zugleich ein Zeichen des permanenten Gegenüberstellens von Soloinstrument und Orchester. Aber schon mit Beethoven beginnt das Soloinstrument immer mehr mit dem Orchester zu verschmelzen, also zu einem gemeinsamen Klangkörper zu werden. Dadurch bedingte sich eine thematische Verflechting beider Elemente, so dass es zunehmend schwieriger wurde, noch freie Gedanken aus dem Solopart zu extrahieren und darüber zu improvisieren, da man es zunehmend mit durchbrochener Arbeit zu tun hatte (Verteilung einer Stimme auf mehrere, aufeinander folgende Instrumente/Instrumentengruppen, wozu dann eben auch das Soloinstrument gehörte). Die Folge war logisch, dass nämlich die Kadenzen immer mehr vom Komponisten auskomponiert wurden, statt sie der Improvisation des Solisten zu überlassen.
    Die Folge in der nachfolgenden Praxis aber war: nun hatte der Solist häufig einen hoch-komplexen, durchkomponierten Solopart, vom Komponisten höchst persönlich geschrieben, mit dem sich selbst die besten Improvisationen musikalisch und qualitativ nicht mehr vergleichen und messen ließen. Und so wurde aus der ursprünglichen Idee, dem durchkomponierten Solokonzert eine kleinen, improvisierten Freiraum hinzuzufügen und gegenüber zu stellen, ein großes, von vorne bis zum Schluss durchkomponiertes Werk.

    Diese Entwicklung war im 18. Jahrhundert noch nicht absehbar. Hier ging es um ein improvisatorisches Verarbeiten der Solopart-Themen, die recht eng aneinander gefügt wurden, nicht unähnlich einer Opern-Ouvertüre seit Gluck. Im 19. Jahrhundert findet dann die allmähliche Verschmelzung von Soloinstrument und Orchester statt - mit den oben erwähnten Konsequenzen. Ich denke, das ist der Grundgedanke hinter dem von Dir zitierten Satz über die Kadenzen-Kenntnis des 19. Jahrhunderts.
    Ich würde mir die einzelnen Komponisten chronologisch vornehmen und sie in Bezug auf das Auskomponieren der Kadenzen vornehmen. Schlusspunkt ist jedenfalls (einmal wieder) der große Brahms. Dort ist Piano und Orchester engstens miteinander verwoben und die Kedenzen sind natürlich auskomponiert.

  4. Nach oben   #4
    Premium-Mitglied
    Dabei seit
    02/2012
    Ort
    Hamburg-Uhlenhorst
    Beiträge
    212
    Sehr ausführlich erklärt
    Ob das nicht schon ein bischen zu komplex fürs Abi ist?
    Naja, schaden tuts jedenfalls nicht.

    Hier gibt es noch ein gutes Lehrbuch, falls du dich etwas in die Thematik einlesen möchtest.
    Ich kanns dir wärmstens empfehlen, es ist wirklich gut.

    http://www.weltbild.de/3/16054895-1/...rhunderts.html

  5. Nach oben   #5
    abgemeldet
    Dabei seit
    08/2011
    Beiträge
    272
    Es mag vielleicht etwas zu ausführlich sein. Aber lediglich die Kadenz an sich zu betrachten, ist mir zu oberflächlich. Für was steht sie? Ist sie nicht ein Spiegel der allgemeinen Musikentwicklung?
    Letztlich könnte man sie in der Klassik als ein Relikt der freieren, "musikantischeren" Barockpraxis ansehen, die dann kompositorisch nach und nach korsettiert wird, bzw. werden musste.
    Besonders interessant finde ich dabei - wie immer - die Übergangsphasen. Zum Beispiel Beethoven, der für seine eigenen, aber auch für fremde Konzerte Kadenzen schreibt. Das heißt in seinem Sinn nichts anderes, als den etwas minderbemittelten Solisten, die nicht improvisieren können, unter die Arme zu greifen. Heute dagegen betrachten wir sie als einen Schatz, gleichwertig mit dem Notentext des Konzert-Soloparts.
    In der heutigen Spielpraxis wird mir - wenn ich jetzt so darüber nachdenke - der ursprünglichen, improvisatorischen Idee der Kadenz zu wenig Beachtung geschenkt.

  6. Nach oben   #6
    Premium-Mitglied
    Dabei seit
    02/2012
    Ort
    Hamburg-Uhlenhorst
    Beiträge
    212
    Das hat auch sicherlich eine Menge mit den veränderten Hörgewohnheiten und auch der Lehre von Musik im Allgemeinen zu tun.
    Ich bin z.B. kein wirklicher Freund der Entwicklung der Lehre von Musik nach der französischen Revolution.
    So haben die Gleichschaltung und Reduktion von Freiheiten durchaus auch im orchestralen Bereich ihre Nachteile mit sich gebracht.
    Aber das führt jetzt zu weit, wenn wir anfangen darüber zu diskutieren. Damit könnte ich ganze Abende füllen.

  7. Nach oben   #7
    abgemeldet
    Dabei seit
    08/2011
    Beiträge
    272
    ... weil sie u.a. das Selbstverständnis eines Musikers unmittelbar beeinflussen, von der prinzipiellen Herangehensweise des Komponisten ganz zu schweigen... - langes, unerschöpfliches Thema.

  8. Nach oben   #8
    Premium-Mitglied
    Dabei seit
    02/2012
    Ort
    Hamburg-Uhlenhorst
    Beiträge
    212
    Alleine schon das Thema Generalbasszeitalter lässt Möglichkeiten für ewige Diskussionen offen..man sollte Rameau vergessen, ich hab ihn eh nie gemocht Aber gut, da spricht die Alte Musik aus mir. Hehe.

  9. Nach oben   #9

    Dabei seit
    04/2012
    Beiträge
    2
    danke danke das war mehr als genug musste es aber im abi nicht wissen, aber ich hatte es da wenigstens verstanden!
    merci


Lesezeichen für Solokadenz

Lesezeichen