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Thema: Straßenmusik machen

  1. #1

    Straßenmusik machen

    Also, ich spiele Akkordeon und wollte demnächst mein Geld mit Straßenmusik aufbessern.

    Habt ihr generell Erfahrung mit Straßenmusik? Lohnt es sich finanziell? Muss man sich vorher anmelden? Ist irgendeine bestimmte Art von Musik besonders beliebt?

    Weiß jemand von euch eine geeignete Stadt für Straßenmusik (wenn's geht in NRW)?

  2. Nach oben    #2
    Premium-Mitglied Avatar von Hope
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    Straßenmusik machen

    Also in den meisten Städten musst du dich beim Ordnungsamt anmelden und das solltest du am besten nicht erst an dem Tag tun an dem du das machen willst. Die sagen dir dann auch genau wo du spielen darfst und wo nicht.

    Grundsatz für Straßenmusik ist dass du in der Regel keine elektronischen Verstärker nutzen darfst. Da haben viele was dagegen. Ist bei deinem Instrument ja nicht das Problem.

    Ob es sich lohnt hängt davon ab wie gut du bist und ob die richtigen leute vorbeilaufen. Da gibts wohl keine Regel.

    Also Köln ist ne gute Stadt für Straßenmusiker. Da sind viele Studenten und da wird im Sommer sehr viel Musik gemacht. Ansonsten kenn ich NRW nicht so dass ich da eine Aussage machen könnte.

    Gitarrenuntericht in Kaiserslautern
    http://www.x-saiting.de/

  3. Nach oben    #3
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    Es gab auch mal einen TV Bericht zu Straßenmusikern in München. Schwieriges Pflaster. Man muß eine Genehmigung haben sowie auch "vorspielen" bzw. einen Nachweis erbringen.

    In NRW wohne ich zwar, kommt auf die Stadt an. Hausrecht z. B. bei Bahnhöfen, U-Bahnhöfen etc, sonst Ordnungsamt.

    Einnahmen werden auf ALG II angerechnet - leider kein Witz

  4. Nach oben    #4
    Premium-Mitglied Avatar von Lenni G-Dog
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    Ich habe schon sowohl mit, als auch ohne einen Genehmigung Straßenmusik gemacht. Kontrolliert worden sind wir nie, aber man sollte einfach alle 10-15 Minuten weiterziehen, wenn man keine Genehmigung besitzt. Ist halt doof, wenn grade viele Leute kommen und man dann doch lieber schnell weg muss. Die sind auch nicht soo teuer. Wir haben glaube ich damals 20 Euro oder so gezahlt, haben aber dann 2-3 gute Stellen gefunden und haben unsere CDs noch verkauft. An einer gut besuchten Stelle kannst du (wenn du den Leuten gefällst) mit Musik und CD verkauft schon deine 30-150 Euro/Stunde machen. (das sind in etwa unsere niedrigsten und höchsten Ergebnisse gewesen). Es lohnt sich also schon...

  5. Nach oben    #5
    Avatar von Rycy
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    Moinsen :-) die Frage ist zwar schon eine Weile her... aber ich antworte trotzdem mal.

    Also, ich habe mit meinem Ex schon öfters Straßenmusik gemacht. Er hat Gitarre gespielt und gesungen, ich habe auch gesungen und unser Gesang war meist zweistimmig. Unser Repertoire bestand aus eigenen Songs und bekannten Covern. "Country roads", "Sailing" (Rod Steward)... Es kam recht gut an. Meist waren wir in Karlsruhe / Heidelberg / Bruchsal / Stuttgart unterwegs, also alles in Baden Württemberg, und es lief recht gut. In Karlsruhe lief's - was uns übrigens ziemlich gewundert hat aufgrund des Lärms der Straßenbahnen / Bauarbeiten - eigentlich am besten. Stuttgart dagegen kann man vergessen, da hat man die Mittagspause einzuhalten. Die geht, glaube ich, anderthalb oder zwei Stunden. Da ist es dann wohl auch egal, ob man 'ne Genehmigung hat oder nicht.
    Du hattest nach NRW gefragt. Probier's am besten mal in Duisburg oder Oberhausen. Von Essen kann ich dir auch abraten, sehr viele Bettler, die ihre "eigenen" Plätze haben. Die sie dann zwar lieb und freundlich, aber recht bestimmt auch verteidigen: "Entschuldigung, hier können Sie keine Musik machen, das ist unser Platz. Wir wünschen Ihnen trotzdem noch viel Glück." Dann verweisen sie einen zu einem anderen Platz, wo dann entweder keiner vorbei kommt oder es zu laut ist... oder besetzt, durch den nächsten Bettler: "Sorry, hier geht's auch nicht..."
    In Duisburg läuft's recht gut, und in Oberhausen auch. Dort sollte man sich aber bitte nicht vor die Sparkasse stellen ;-) O-Ton Angestellte: "Ich muss Sie bitten, Ihre Sachen zusammen zu packen und zu verschwinden, da sich unsere Kunden durch Ihre Bettelei gestört fühlen."
    Solltest du mal in den Norden kommen: Bremerhaven ist empfehlenswert. :-)
    Zu den Einnahmen: Wir als Duo mit einer Gitarre und zwei Gesangsstimmen haben uns immer im mittleren Bereich bewegt. "Stundenlohn" war meist zwischen 20 und 60 Euro, kam aufs Wetter, unsere Laune und die (Spendier-)Laune der Zuhörer an.

  6. Nach oben    #6

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    Ich habe selbst keinerlei Erfahrung damit, was daran liegt, dass ich selbst erst am Anfang stehe. Ich finde das aber eine sehr gute Idee und ich schaue und höre mir das immer sehr gerne an in der Stadt, denn in all der Hektik dort kann man das gut zum Verschnaufen nutzen. Ich fände es nur schade, wenn dann entsprechende Genehmigungen nicht erteilt werden würden. Deshalb wünsche ich viel Erfolg und Spass daran.

    Grüße Trude

  7. Nach oben    #7
    Avatar von Romy
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    Ich habe ein wenig erfahrung mit Straßenmusik. Aber zum Großteil kann ich mich den anderen nur anschließen!
    Es kommt wirklich auf den Ort und Zeit an.
    Ich denke, es gibt in jeder Stadt einen Platz, an dem besonders viele Leute vorbeikommen, die Spendirbereit sind.
    Von (Slatalix) Anmelden und so was weiß ich nichts, ich hoffe, das was ich bisher auf der Straße gemacht hab, war nicht illegal...

  8. Nach oben    #8
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    Hier mal auch ein Auszug d Zeitung, es gibt offenbar wirklich ein Casting, um Genehmigungen in M zu erhalten

    http://www.augsburger-allgemeine.de/...id8209946.html

    YT Video http://www.youtube.com/watch?v=n4eVmSEbeGU

    Gilt aber für die Innenstadt-Fußgängerzone mit Formular, das sichtbar auszulegen ist

  9. Nach oben    #9

    Hier mal Eindrücke aus der Heidelberger FuZo

    Hat sich richtig gelohnt für Rasmus. Das Wetter hat gepasst und die Leute waren Neugierig. Ein wirklich super talentierter Künstler. Auch die CD Verkäufe haben sich gelohnt. Schaut mal rein und abonniert wenns Euch gefällt.


    http://www.youtube.com/watch?v=eG6Wahx2jJQ
    http://www.youtube.com/streetmusicianslive

  10. Nach oben    #10

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    Erfahrung mit Straßenmusik

    Ich spiele seit ca. einem halben Jahr wieder regelmäßig Gitarre und singe dazu. Für dieses Jahr hab ich mir vorgenommen, auch öfter mal auf der Straße zu spielen. Dabei möchte ich möglichst in vielen Städten spielen, um zu vergleichen, wie die Menschen reagieren. Letzte Woche hatte ich in der Pfalz gespielt (Landau). Es war das "erste Mal" und es hat richtig Spaß gemacht.

    Vorher hatte ich mich erkundigt, ob man eine Erlaubnis braucht und hab rausgefunden, dass man in den meisten Städten keine Erlaubnis braucht, wenn man ohne elektrische Verstärkung spielt. In vielen Städten darf man nur eine halbe Stunde am Stück spielen und muss dann den Ort wechseln, damit die Anwohner nicht den ganzen Tag dem selben Musiker zuhören müssen. Angeblich gäbe es wohl Musiker, die spielen den ganzen Tag immer wieder die selben Lieder am selben Ort.

    Weil ich ohne elektrischen Verstärker spiele, ist die Musik für die Straße eigentlich zu leise. Meine Gitarre hat auch kein sehr großes Klangvolumen. Deshalb frage ich jetzt hier, ob es bestimmte Gitarren gibt, die besonders für Straßenmusik geeigent sind, weil besonders laut? Hat jemand Erfahrungen? Würde mich über Tipps und Hinweise freuen.

  11. Nach oben    #11

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    Straßenmusik in Gießen

    Heute hab in ich in Gießen gespielt und die Menschen haben sich viel offener und interessierter gezeigt als in Landau. Nun weiß ich nicht, ob es an mir oder den Leuten in der Fußgängerzone lag. Vielleicht war ich ja auch lockerer und entspannter drauf. In der Stadt war eine angenehme Atmosphäre, viele Menschen unterwegs, das Wetter bewölkt, aber trocken und T-Shirt warm, nicht heiß. Vielleicht lag es am Brückentag, an dem viele Leute frei hatten und deshalb positiv gestimmt waren.

  12. Nach oben    #12
    Avatar von Kabelaffe
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    Marktschreiermikrofon

    Zitat Zitat von katu Beitrag anzeigen
    Ich spiele seit ca. einem halben Jahr wieder regelmäßig Gitarre und singe dazu. Für dieses Jahr hab ich mir vorgenommen, auch öfter mal auf der Straße zu spielen. ...

    Weil ich ohne elektrischen Verstärker spiele, ist die Musik für die Straße eigentlich zu leise. Meine Gitarre hat auch kein sehr großes Klangvolumen. Deshalb frage ich jetzt hier, ob es bestimmte Gitarren gibt, die besonders für Straßenmusik geeigent sind, weil besonders laut? Hat jemand Erfahrungen? Würde mich über Tipps und Hinweise freuen.
    Es gibt in einem der E-Bay-Shops einen Draht-Kopfbügel mit kleinem Mikro seitlich vom Mund und Gürtelverstärker mit Batterie und Lautsprecher. Der Verstärker am Gürtel stört beim Klimpern, weil das Instrument dagegen kommen kann. Könnte man sich auch tiefer hängen (an den Oberschenkel) oder höher an den Schlagarm. Das reicht für die Stimme aus und der Schall des Lautsprechers geht auch in die Richtung, in die man sich dreht. Man könnte den Gürtelverstärker auch an die Sehnsuchtsbratpfanne montieren. Das seitliche Minimikro funzt auch gut mit umgehängter Muha und fällt einem eventuellen dienstgeilen Ordnungsamt kaum auf.

    Die Sehnsuchtsbratpfanne soll bei bei Begleitung zum eigenen Gesang ohnehin leiser sein als Letzterer und braucht deshalb keine Verstärkung. Du musst Kontakt zu den Zuhörern suchen - lass sie näher ran. UNd nicht vergessen : Du begleites Deinen Gesang (und nicht umgekehrt)

    Ich selbst benutze ein solches Marktschreiermikrofon, wenn ich zum verhältnissmäßig lautem Akkordeon singe. Ich müsste ansonsten sehr laut singen, was nicht gut rüberkommt, weil Zug und Druck die Stimme unterschiedlich beeinflussen. Das Ding hängt mit einer Klippbefestigung vor dem Diskantdeckel.

    Ich habe selbst so wie Du in Gitarre und Gesang gemacht und es wäre falsch, das Instrument zu verstärken. Etwas lauter sind akustische Stahlsaitengitarren, wo die Basis der Saiten in eine breite Blechplatte eingehängt wird, welche wiederum um die Korpuskante herum an der Zarge befestigt ist. Also da, wo der Gurt eingepickt wird. Tut mir leid, ich weiss nicht, wie das heisst.

    Jedenfalls verstärkt das Blech enorm. Der untere Steg liegt bei diesen Instrumenten ohne Befestigung nur auf der Decke auf. Der Ton kann durch Drücken des Bleches mit dem Handballen der Schlaghand noch geringfügig verzerrt werden. Diese Instrumente habe eine breite Mensur wie eine Konzertgitarre.

    Viel Erfolg und dicke Beute.

  13. Nach oben    #13

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    Hey!

    Kleiner allgemeiner Tipp!

    Ihr kennt doch bestimmt Milow den bekannten Sänger, er hat auch mal als Straßenmusiker gearbeitet und sagte:
    Man bekommt von Anfang an mehr Geld wenn man in seinen Gitarrenkoffer ca. 10 -15 Euro reinlegt. Am besten wenig Centstücke, besser mehrere 2 Eurostücke. Hat nen psychologischen Effekt auf die Leute. Wenn die sehen das da viele 2 Euro gegeben haben geben die anderen das gleiche oder doch 2.50 um vor den anderen nicht doof dazustehen.

    Zu Anfang am besten drei Freunde als Fans aufstellen, denn, wenn schon welche da stehen bleiben die anderen auch da und gehen nicht einfach so weiter.

    Wenn man dann auch noch interessant gekleidet ist also ein wenig aus der Masse heraussticht umso besser!

    So wie ich, he!

    Gruß

    Micha

  14. Nach oben    #14
    Avatar von Kabelaffe
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    Anfüttern oder wenn ich einmal reich bin

    Zitat Zitat von MichaMusic Beitrag anzeigen
    Hey!

    ... Milow den bekannten Sänger, er hat auch mal als Straßenmusiker gearbeitet und sagte:
    Man bekommt von Anfang an mehr Geld wenn man in seinen Gitarrenkoffer ca. 10 -15 Euro reinlegt. Am besten wenig Centstücke, besser mehrere 2 Eurostücke. ...

    Micha
    Den Milow kenne ich zwar nicht, aber wo er recht hat hat er recht. Manchmal ist es wie verzwickt: Du tust was zum "Anfüttern" in den Kasten, es kommt eine Schar Kinder vorbei und schreit "Mama, Mama, der hat schon was" und weg sind sie. Oder genau umgekehrt. Ich weiß auch nicht, wie es richtig ist. Da hab ich die tollsten Überraschungen erlebt.

    Ich beschreibe mal einige Erlebnisse, die nicht erfunden sind:

    Kommt eine junge Tante 100m quer über den Marktplatz auf mich zu und ich sehe sie von weitem schon, wie sie im Portemonai rumsucht und dann mit einem Schein wedelt. Kommt näher, guckt in meinen Hut und sagt "ach, Du hast ja schon einen Schein, brauchste meinen nicht .. " steckt ihn wieder ein und schreitet wie eine Diva vom Platz. Und dabei soll man nun in seiner Darbietung nicht durcheinanderkommen.

    In diesem Zusammenhang ein phsyscholigischer Trick : Hut ist besser als Gitarrenkasten, weil die Zuhörer zum Reingucken näher rankommen müssen. Wenn sie erstmal da sind, gibts auch was rein. Die anderen Zuhörer sollen schließlich sehen, wie großzügig man spendet.

    Der nächste Fall: ich will gerade auf meinem Lieblingsplatz aufspielen, kommen just a moment 10 Sänger und 5 Instrumente aus der Seitenstraße (unser Stadttheater hatte gerade so ein Open) und ein ganzer Tross Leute hinterher. Die Truppe singt und tanzt was und pünktlich wie bestellt klatscht der ganze Tross. Dann zog alles 100m weiter und begann von vorn, gleicher Akt, gleiche Künstler, gleiche Fans. Seit dem weiss ich, wie der Hase läuft - die werden auch immer die gleichen Fans im Theater sitzen haben. Nennt sich Freikartenpool.

    Ach - und dann mein Fanclub, Kinder in ständig wechselnder Besetzung: "Onkel, was machste da ?" ich sag "Geld verdienen" und schon ruft Kind "Mama, haste mal nen Euro ! ". Und die hat ! Ich sitze auf dem Marktplatz, eine Schar Kinder um mich rum, ich spiele Hänschen klein und alle anderen Enten, es hagelt regelrecht Cent und Euro von Oma und den anderen Tanten. Nächster Tag, gleicher Akt, andere Kinder. Was passiert : NIX außer meinem langen Gesicht. Auf einmal kommt ein Junge vom Vortag und sagt zu der ganzen Bande "ihr müsst was in den Hut tun" und schon schallte es wieder "Mama, haste mal nen Euro ! " ...

    Dann noch zur Kleidung: ich bin ein alter Knacker und bevorzuge Räuberzivil. Da ich oft die selbe Lokation aufsuche, trage ich immer blaue Jeans und rote Jacke. Wiederekennungseffekt "Mama, guck mal, der Onkel ist wieder da, haste mal nen Euro ! ". Jüngst habe ich in "Fliege schwarz" und Oberhemd rot investiert. Sieht richtig schneidig aus. Sagt man mir auch. Ich habe mal meine rote Jacke an eine Hauswand gehängt, dort wurde sie geklaut. Am anderen Tag musste ich in schwarz spielen. Kommt einer vorbei und fragt "...wo ist denn die Jacke ? " Also, Wenn ich jünger wäre, würde ich mich genau anders kleiden als die Musikrichtung, die ich vortrage: Volkslieder als Rasta-Men oder Armeejacke und Rockmusik.

    Noch mal zu den Kinder: es sieht so aus, als ob die Eltern denen etwas beibringen wollen, z.B. wie kriege ich das Geld in den Hut ?
    Dazu bekommen die von Mama oder Papa ein Münze in die Hand. "los, geht hin und schmeiss rein". Jetzt stellt Euch mal Zweijährige vor und was das für eine Aktion wird. Ich habe schon Kleinkinder dabeigehabt, die weisungsgemäß über den Marktplatz gekrabbelt sind, die Münze verloren, unterwegs vergessen, wohin sie sollten oder stattdessen was aus dem Hut oder den ganzen Hut geklaut haben. Ein kleines Mädchen kam an, schüttete den Hut aus und rannte damit zu Mama.

    Letzten Sommer hatte ich wohl so um die 10 Kinder zu einer Polonaise nach "Hänschen klein" versammelt, ich vorweg marschierten wir um unseren Marktplatzbrunnen. Als wir an den Gasstättentischen vorbeikamen, fragte ich bei den Eltern "Entschuldigen Sie bitte, wo geht es hier zur Weser". Der Rest ging im Gelächter unter.

    Die Ausländer, Touristen ganannt: Japaner und neuerdings auch Chinesen haben bei mir auch gespendet, aber zu wenig. Das muss anders werden, also wenn die den Platz des Geschehens betreten, benutze ich einfach mal nur die schwarzen Tasten des Arkordeons. Oh Wunder - die Chinesen haben plötzlich auch Euros in der Tasche. Ich sitze da, um mich herum 200 optisch Deutsche. Habe gerade mit meinem Vortrag angefangen und es dauert sonst immer 2-5 Lieder, bis Kohle kommt. Hier dauerte es schon 10 Lieder und keine Socke bewegt seinen Arsch zum Hut. Kaum zu glauben, da kam eine Burka auf Beinen dahergewatschelt und baute sich vor mir drohend auf. Ach du Schreck, denke ich noch, was passiert denn jetzt ? Da kramt die Burka ihre Burka zur Seite und in einem goldenen Portemonai herum. "Dahhh du haben von mich" kniete sich hin, als ob sie gen Mekka beten wollte und legte mir ganz, ganz langsam einen Schein in den Hut.

    Was wollte ich noch sagen ?

    ach so, mein erstes Mal vor 5 Jahren in der Öffentlichkeit (Strandbad Ueckermünde), ohne Spendenhut im Abendrot ! Kaum Leute da. Ich wollte einfach nur wissen, wie ich denn mit meinen alten Liedern ankomme. Damals war kein Gedanke an Kohle. Kommt ein Päärchen, stellt sich vor mich und hört zu. Sie fragt : wo dürfen wir denn eine kleine Spende hintun ? Ich antworte "heute umsonst, hat der Kurdirektor gesponsert". Sie dreht sich um "Kommt, Volkmar , wir gehen hier weg ". Ich habe mir damals geschworen: das passiert nicht nochmal ! Damit nahm das Verhängnis seinen Lauf und ich wurde zum Musikbettler.

    Was ich eigentlich sagen wollte: Heute hier, morgen dort, mal Happy, mal ätzend. Gespräche mit den Menschen abblocken. Wenn da zuviel rumstehen, kommen die Anderen nicht zum Hut. Spielzeit ist kostbar, Anders als im Konzert werden die Pausen nicht mitbezahlt. Und ich garantiere hier und heute: habt keine Angst vor der Zukunft, in schlechten Zeiten nimmt die Spendenbereitschaft zu.

    Hopp oder Topp.

  15. Nach oben    #15

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    Erstmal danke für die Tipps und lustigen Anekdoten

    Meine Westerngitarre ist zwar schon recht laut und meine Stimme kräftig, aber ob man was hört, hängt sehr vom Krach und Lärm ab, der sonst noch so auf der Straße ist.

    Hab gemerkt, dass es sehr auf den Platz in der Stadt ankommt und die Tageszeit. Manchmal sind viele Leute unterwegs, aber es ist trotzdem recht ruhig in der Stadt. Dann hören die Leute besser, was man spielt, sie gucken, bleiben stehen und geben Geld.

    Anders war das letzten Monat in Düsseldorf: Freitag, gegen 18.00, die Stadt voll mit Leuten die feierten, die schon teils recht betrunken waren oder fest entschlossen, es zu werden. Junggesellenabschiede, Fußballmannschaften, Kegelklubs und dann noch gehetzte Leute, die sich Einkaufsstress machten. Die Leute sind teilweise durch mich durchgelaufen. Trotzdem ist der ein oder andere stehengeblieben und hat zugehört, aber schön war es eigentlich nicht.

    Ich versuche jetzt mal zu unterschiedlichen Uhrzeiten zu spielen. Mal sehen, ob es da Unterschiede in der Aufnahme- und Zuhörbereitschaft der Menschen gibt.

  16. Nach oben    #16
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    Es gibt ja auch noch Akkuverstärker, das ist in manchen Städten aber vom Ordnungsamt verboten, man darf nur unverstärkte Musik darbieten

  17. Nach oben    #17
    Avatar von Kabelaffe
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    Zitat Zitat von katu Beitrag anzeigen
    Erstmal danke für die Tipps und lustigen Anekdoten

    Meine Westerngitarre ist zwar schon recht laut und meine Stimme kräftig, aber ob man was hört, hängt sehr vom Krach und Lärm ab, der sonst noch so auf der Straße ist. ...

    ...Ich versuche jetzt mal zu unterschiedlichen Uhrzeiten zu spielen. Mal sehen, ob es da Unterschiede in der Aufnahme- und Zuhörbereitschaft der Menschen gibt.
    Ein Versuch wäre es wert: Unter das Loch Deiner Klampfe schraubst Du ein schön, ganz dünnes Stahlblech. Das Dingen muss so 20 cm lang und 10 cm hoch sein und nach unten weit über die Decke hinausstehen. 2 Schrauben in die Decke drehen. Das verscheppert zwar den süßen Klang etwas, bringt aber Power. Das Blech muss so wie bei einer Keksdose sein beschaffen sein.

    ... Entgegen aller Befürchtungen habe ich an Sonntagvormittagen (so ab 11 Uhr) gute Ergebnisse in unserer Fußgängerzone. Du denkst, es sind wenig Menschen unterwegs - macht aber nichts, auch wenig Menschen bringen viel Geld.
    Eigentlich gilt das für alle Fußgängerzonen, auch an Wochentagen. Vor dem Mittagstrubel sind die Rentner unterwegs und die Schüler noch nicht da. Und die Rentner haben zwar nie Geld und Zeit, aber Hutgeld übrig. Musste nur noch das spielen, was die auch kennen.

    Das Schlimmste ist bei uns auf dem Marktplatz: 4 Restaurants mit insgesamt 250 Tischen (manchmal stellen die noch welche dazu, wenn ich komme) macht am Sonntag einen Lärm, da legst Du dich nieder. 500 Menschen gleichen einem mittleren Kleinflugzeug. Dazwischen schreien die Kinder rum und am schlimmsten sind Frauengruppen. Wenn Du lauter spielst, schreien die sich noch lauter an.

    Abends wirds ruhiger, wenn die Essen, halten sie die Schnauze. Kannst ja auch mal an den Tisch gehen und sagst "PSSSST".
    Und jetzt sag bloss nicht, die Einkaufs- und Koffertrolllies auf Koppsteinpflaster sind Dir auch zu laut ...

  18. Nach oben    #18
    Avatar von Kabelaffe
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    Zitat Zitat von slaytalix Beitrag anzeigen
    Es gibt ja auch noch Akkuverstärker, das ist in manchen Städten aber vom Ordnungsamt verboten, man darf nur unverstärkte Musik darbieten
    Da frag mal das Ordnungsamt, wie er mit seiner E-Gitarre ohne Verstärker seinen Gemeingebrauch ausüben kann. Und seine künstlerische Freiheit ausleben ...

    Er muss ja nicht gerade Jimmy Hendrix nachtun. Dann sagt auch keiner was. Zu laut schreckt auch die Spender ab. Die verzischen sich schon, bevor sie seine Sammelkiste überhaupt sehen. Fürchterlich auch, diese Gesangsschreierei. Wir haben bei uns auch so einen jungen, wilden. Der kriegt zwar auch Kohle, aber nur von den jungen Muttis mit Kind ohne Vater.

  19. Nach oben    #19

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    Hey!

    Also wenn ich das so teilweise lese, weiß ich nicht so recht was ich davon halten soll.

    Ich habe nicht irgendwann und ueberhaupt einen Stassensaenger in Koeln, Essen oder Gelsenkirchen gesehen der da ohne Mikro oder Verstaerker was gespielt hat.

    Bin ja kein Strassenmusiker aber habe zweimal diese kleinen Wuermchen etwas unterstuezt und habe richtig fuer Aufmerksamkeit gesorgt.

    Die taten mir einfach Leid weil die wirklich gut gesungen haben und die Leute sind da vorbeigegangen ob da gar keiner gewesen war.

    Und in beiden Faellen hat sich ein Halbkreis gebildet und die Leute waren begeistert.

    Habe aber auch ein sehr selbstsicheres Auftreten und kann sehr gut mit Leuten umgehen und mit Kindern erst recht.

    Spass steht bei mir an erster Stelle und vielleicht merken die Leute das auch, weiss es nicht.

    Man sollte die Leute auch ansprechen und von seinem koennen Ueberzeugen, sonst wird das glaube ich nichts.

    Naja, viel Glueck noch!

    Wenn man gut Singen kann sollte man keine Probleme haben.

    Micha

    Edit:

    Was mich an Straßenmusikern manchmal richtig ankozt, ist, dass die richtig miserabel Singen und auch ihr Instrument einfach nicht beherrschen.
    Echt, man ist voll im Stress und muss sich gezwungendermaßen voll den Drecksmüll anhören, da könnt ich manchmal Platzen vor Wut!

    Manchmal könnt ich da so hingehen und den Musiker bzw. Möchtegernmusiker die Gitarre oder so richtig um die Ohren hauen.
    Dann sagt meine kleine Leonie, guck mal der kann ja gar nicht so gut Singen wie du, der braucht Geld.
    Der kann sonst nicht die Miete bezahlen und son kram, was mache ich?

    Widerwillich und Notgedrungen geb ich ihr was und das kann schon mal nen 5´er sein.

    Ja Toll!

    Aber wer es gut kann soll es auf jeden Fall machen und ich freue mich auch wenn einer was gut rüberbringt!

    Alle anderen bitte zu Hause bleiben und die Nachbarn Quälen, he!

    LG

    Micha

    Hier mal ein Link zu einen der schlechtesten Sänger die es wohl gibt!

    http://www.musikerforum.de/showthrea...299#post111299

    Sowas machen viele in den Straßen und denken trozdem sie wären gut weil die Geld bekommen, nur ist es nur aus Mitleid so!
    Geändert von MichaMusic (10.07.2013 um 22:40 Uhr)

  20. Nach oben    #20
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    Zitat Zitat von MichaMusic Beitrag anzeigen
    Also wenn ich das so teilweise lese, weiß ich nicht so recht was ich davon halten soll. ...
    Du meinst, was Du gut oder schelcht findest ... Da können andere Menschen ganz anders empfinden.
    Fest steht für mich, dass viele Laienmusiker die Straßenmusik mit Sammelbehälter machen, weil sie etwas für den Lebensunterhalt brauchen. Momentan (seit etwa 2 Jahren) sind vermehrt Südosteuropäer dabei. Leider sehr zu meinem Leidwesen, denn die machen mir mit einer klebrigen Zähigkeit meine Lokationen streitig. Die haben irgendwann mal gemerkt, dass sie ein Instrument beherrschen und nutzen jetzt jede Chance, an Spenden heranzukommen.

    Wir haben hier eine Zigeunerfamilie, wo der "Alte" Akkorde auf dem Akkordeon und ein Jüngerer Akkorde auf der Gitarre spielt. Tochter, Mutter und noch eine singen dazu irgendein Lied, es sind wohl drei verschiedene - hört sich aber immer gleich an. Harmonie ist nicht mal schlecht - hört sich gut an. Die sind nur auf unserem Marktplatz, jede Stunde wieder von vorn. Da die Gäste an den Aussentischen ungefähr stündlich wechseln, bekommen die auch immer etwas Geld, wenn der "Alte" mit umgehängten Akkordeon an den Tischen sammelt. Im Laufe eines Sommertages kommen da so einige Euro zusammen. Vor wenigen Tagen überraschten die mit einem neuen Lied, irgendwas internationales.

    Freiwillig werden die den Marktplatz nicht wieder verlassen. Die wollen keine Anerkennung, die wollen Geld. Dann gibt es noch drei weitere Gruppen, alles so ähnlich.

    Auch ich brauche Geld - und zwar dringend. Mit 63 Jahren habe ich keine Chance, irgendwo einen Job zu bekommen. Da bin ich auch auf die Straßenmusik gekommen, nachdem ich plötzlich die passende Spielweise auf dem Akkordeon konnte. Mein Programm ist auf Geld ausgerichtet - ob der eine odere andere was daran auszusetzen hat, ist mir wurscht. Bin ich nach Ansicht der Leute gut, bekomme ich viel in den Hut, ansonsten wenig. Daraus ergibt es sich automatisch, gut sein zu müssen.

    Wenn ich zur persönlichen Erbauung aus Lust und Laune spiele und eigentlich keine Spenden will, kann ich mir einige künstlerische Freiheiten erlauben.

    Ich war jetzt wohl offensichtlich der erste, der das Deutschlandlied auf unserem Marktplatz gespielt hat. Uff - mit Überwindung. Und mit Nationalfahne aus Papier am Hut. Ich hatte ja Hutgeld erwartet - aber was da abging, war unbeschreiblich. Regelrecht zugeschüttet. Jetzt kommt neuerdings die Schützenkapelle, der Spoielmannzug usw. und spielen auf der Straße bei irgendwelchen offiziellen Anlässen das Deutschlandlied ! Letztlich bei unserem Stadtfest bei der Proklamation des Schützenkönigs.
    Ich werde noch affig.

    Jetzt warte ich nur noch darauf, dass die Zigeuener das auch machen. Dann nagele ich mein Akkordeon an den Lindenbaum, der dort vor dem Tore steht und beantrage nebenan im Rathaus Hartz 4.

    Ende der Vorstellung

  21. Nach oben    #21

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    Zitat Zitat von slaytalix Beitrag anzeigen
    Es gibt ja auch noch Akkuverstärker, das ist in manchen Städten aber vom Ordnungsamt verboten, man darf nur unverstärkte Musik darbieten
    Grundsätzlich ist es in den meisten Städten nicht erlaubt, ohne Genehmigung verstärkte Musik zu machen. Aber es kommt auch auf die Lautstärke an. Wenn du eine akkustische Gitarre elektrisch verstärkst und dass vielleicht im Umkreis von 20 Metern gut zu hören ist, du nach 30 Minuten den Platz wechselst, dann sagt normalerweise keiner was. Wenn du aber schon von 200 Metern zu hören bist, kannst du sicher sein, dass Beschwerden kommen. Bei mir war es in Düsseldorf so (da spielte ich ohne Verstärker), dass man mich schon 10 Meter von mir entfernt nicht mehr hören konnte.

    Zitat Zitat von Kabelaffe Beitrag anzeigen
    Ein Versuch wäre es wert: Unter das Loch Deiner Klampfe schraubst Du ein schön, ganz dünnes Stahlblech. Das Dingen muss so 20 cm lang und 10 cm hoch sein und nach unten weit über die Decke hinausstehen. 2 Schrauben in die Decke drehen. Das verscheppert zwar den süßen Klang etwas, bringt aber Power. Das Blech muss so wie bei einer Keksdose sein beschaffen sein.
    Also ich weiß nicht? Ich würde erstmal nicht selber Hand anlegen und Löcher in meine Klampfe bohren oder Schrauben reindrehen. Ich hab zwar keine Martin, aber schade wäre es trotz, das gute Stück so zu bearbeiten. Ich würde erstmal gerne so ein Gitarre sehen und hören, wie es klingt, bevor ich selber anfange an meiner Klampfe rumzuschrauben. Kennst du jemanden, der so ein Teil hat, wo ich mir das mal anschauen könnte?

    Zitat Zitat von MichaMusic Beitrag anzeigen
    Was mich an Straßenmusikern manchmal richtig ankozt, ist, dass die richtig miserabel Singen und auch ihr Instrument einfach nicht beherrschen.
    Echt, man ist voll im Stress und muss sich gezwungendermaßen voll den Drecksmüll anhören, da könnt ich manchmal Platzen vor Wut!

    Manchmal könnt ich da so hingehen und den Musiker bzw. Möchtegernmusiker die Gitarre oder so richtig um die Ohren hauen.
    Also ich finde es nicht o.k, wenn man wegen einem schlechten Musiker so starke Agros kriegt. Wenn einem was nicht gefällt, muss man ja nicht hinhören. Außerdem: wer bestimmt denn, ob jemand singen kann und sein Instrument beherrscht. Mir fällt da z. B. der Gitarrist von The Clash ein. Joe Strummer sagte von sich, er sein ein Schrammler (engl. Strummer) und könne gar nicht Gitarre spielen :-) Ich find seine Musik aber total gut. Über Bob Dylan wurde auch gesagt, er könne nicht singen, aber seine Stimme ist einmalig und großartig. Ich selber hab schon über mich von anderen Leuten gehört: "Super, könnte Stunden lang zu hören", bis hin zu: "na, ist ja nichts besonderes"

    Ich spiele übrigens gerne auf der Straße, weil es einem hilft, mehr Sicherheit, Souverenität und Ausdrucksvermögen zu entwickeln. Ansonsten spiele ich gerne mal auf Einladung von Freunden bei Festen (Geburtstagen, Hochzeiten etc.), aber dann mit Verstärker und Micro.

  22. Nach oben    #22

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    Zitat Zitat von Kabelaffe Beitrag anzeigen
    Auch ich brauche Geld - und zwar dringend. Mit 63 Jahren habe ich keine Chance, irgendwo einen Job zu bekommen. Da bin ich auch auf die Straßenmusik gekommen, nachdem ich plötzlich die passende Spielweise auf dem Akkordeon konnte. Mein Programm ist auf Geld ausgerichtet - ob der eine odere andere was daran auszusetzen hat, ist mir wurscht. Bin ich nach Ansicht der Leute gut, bekomme ich viel in den Hut, ansonsten wenig. Daraus ergibt es sich automatisch, gut sein zu müssen.
    Ich finde es klasse, dass du so kreativ und mutig an die Sache rangehst. Ist doch viel besser, Musik zu machen, als frustriert und passiv rumzuhängen oder für 5,60€ pro Stunde irgendein Scheißjob zu machen und sich von einem blöden Boss rumkommandieren zu lassen.

  23. Nach oben    #23
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    Zitat Zitat von katu Beitrag anzeigen
    Ich finde es klasse, dass du so kreativ und mutig an die Sache rangehst. Ist doch viel besser, Musik zu machen, als frustriert und passiv rumzuhängen oder für 5,60€ pro Stunde irgendein Scheißjob zu machen und sich von einem blöden Boss rumkommandieren zu lassen.
    Danke für das Beileid. Aber ...

    tatsächlich arbeite ich momentan für 10,50 bei 410 Gehalt - versicherungspflichtiger Teilzeitjob mit Bestandschutz bis 2014. Bringt den Vorteil einer billigen Krankenversicherung. Das Dumme ist nur, dass ich immer Samstags arbeiten muss, wo ich auf der Straße mehr verdienen würde. Ab 2015 bekomme ich 440 € Rente und habe mehr Zeit für die Straße. Ich muss mich dann dummerweise selbst krankenversichern und mein Plus an Hutgeld geht dafür wieder drauf. 150 € KV-Beitrag spiele ich in der Schietwetterzeit auch nicht immer an einem Tag ein.

    Grundsicherung im Alter scheidet aus, weil ich vorher meinen Kleinwagen aufessen müsste. Und komme ich nicht mehr von unserem Negerdorf in die umliegenden Städte auf die Straße. Nahverkehr ist zu teuer und fährt selten, mit dem Fahrrad schaffe ich nicht wegen der Berge und zu Fuss ist zu weit. Damit hätte sich das Hutgeld erledigt, Nischt bzw. Nix.

    Ich könnte mein Autochen auch behalten, wenn es so gut wie nix mehr wert ist oder wenn ich eine Erwerbstätigkeit neben der Grundsicherung hätte. Verdienst würde größtenteil angerechnet - aber Hutgeld ? - wieviel weiss nur ich. Aber leider gilt "Straßenmusik" nicht als Erwerbstätigkeit bei Grundsicherung im Alter.

    Da bleibt mir nur noch zusätzliches Zeitungsaustragen oder sche*ssewegmachen, um mit dem Arsch an die Wand zu kommen. Ich sehe mich bereits zusammengebrochen in Rückenlage, plötzlicher Herztod, Akkordeon auf der Brust, auf irgendeinem Marktplatz liegend. Meine Zuhörer denken, das gehört zur Show und spenden und spenden und spenden. Einen kenne ich, der wird sagen "endlich". Da frag ich mich allen Ernstes, was die mit dem Akkordeon machen, wenn ich abtransportiert werde. Ich habe ja mit dem letzten Atemzug den leeren Balg noch zugeknöpft so wie sich das gehört. Und wo bleibt mein Hut und wo der Inhalt ?

    http://commons.wikimedia.org/wiki/Fi...im_619-vkd.jpg

    Krallt sich OB Machens die Kohle oder reicht sie für ein Schild am Brunnen ?

    Da bist ja sicher ein jüngerer Mensch. Sieh zu, dass es Dir besser geht. Und lass die Finger von Straßenmusik.

  24. Nach oben    #24
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    Zitat Zitat von katu Beitrag anzeigen
    Also ich weiß nicht? Ich würde erstmal nicht selber Hand anlegen und Löcher in meine Klampfe bohren oder Schrauben reindrehen. Ich hab zwar keine Martin, aber schade wäre es trotz, das gute Stück so zu bearbeiten. Ich würde erstmal gerne so ein Gitarre sehen und hören, wie es klingt, bevor ich selber anfange an meiner Klampfe rumzuschrauben. Kennst du jemanden, der so ein Teil hat, wo ich mir das mal anschauen könnte?
    Die Gitarre mit Blech.
    Habe ich jetzt gerade auch nichts anderes gefunden. Die Klampfen werden anscheinend so nicht mehr hergestellt, wie ich vom Sperrmüll hatte. Auf dem Bild ist eine edle E-Klampfe abgebildet. Es geht aber nur um das Blech, wo die Saiten eingepickt sind. Das Blech (tailierte Form mit dem Pfeil drauf) ist da befestigt, wo der Gurt eingehängt wird ( an der Zarge, nicht an der Decke). Es hängt frei und liegt nicht auf der Decke auf, auch wenn das auf dem Bild anders aussieht. Die Auflage ist der Steg mit den messingfarbenen Knöpfen.

    http://akquarius.ak.ohost.de/Akquari.../95%20full.jpg

    Infolge schwingt das gesamte Blech leicht mit und macht enormen Krach. Diese Konstruktion gibt es (selten) auf einer akustik-Stahlsaitenklampfe. Da liegt der Steg auch lose auf der Decke auf. Entscheidend ist, dass die Basis, wo die Saiten eingepickt sind, nicht auf der Decke festgeschraubt ist.

    Du kannst das ja mit einer alten ausprobieren, indem Du die Basis von der Decke löst und ein glattes Blech aus einer großen Keksdose schneidest. Das Blech darf nicht gehämmert werden, sondern nur glatt geschnitten. Möglichst breit, breiter als die Mensur. so ähnlich wie auf dem Foto. An der Zargenseite biegst Du es 95 Grad um und schraubst es unter den Gurtknopf, auf der Saitenseite biegst Du es 10-15 Grad nach oben und bohrst 6 Löcher für die Saiteneinhängung rein. Der Rest ist Stimmen, Du musst dabei mit D + G (mittlere) anfangen.

    Kann sein, dass die Sehnsuchtsbratpfanne hinüber ist. Nennt sich Schwund.

    Einer der Gitarristen von Scorpions hatte mal mir mal auf so einem Ding was vorgeklimpert. Die war noch lauter, weil er auf die Stahlsaitengitarre Nylon-Basssaiten aufgezogen und Normal gestimmt hatte. Genau weiss ich das nicht mehr, Super Sound.

    Wenn Du dann schon die Keksdose daliegen hast und die alte Klampfe sowieso hinüber ist, schraubst Du noch ein Resonanzblech auf die Decke. Mechanisch fest, das darf sich gegenüber dem Holz nicht bewegen. Nur der Blechüberstand nach unten bringt die Resonanz.
    Versuch macht kluch.

  25. Nach oben    #25

    Straßenmusik Geldern

    Hallo Katu,

    wie läuft es denn nun mit der Straßenmusik? Du machst das jetzt wohl seit 2011, seit des ersten Beitrags?! Ich war in den letzten zwei Jahren bei einem "Straßenmusik Camp" dabei in Geldern. Das war total nett! Es findet jedes Jahr gegen Ende August statt. Kennst du Klaus den Geiger? Er ist ein Straßenmusiker aus Köln und ein totales Herzchen. Er leitet die Gruppe, die aus 10- 15 Musikern besteht. Letztes Mal hatten wir alles dabei, von Gitarre über Trompete, Akkordeon bis Kontrabass. Wir haben dann tagsüber Lieder zusammen einstudiert und Abends in Geldern auf der Straße gespielt und nicht schlecht eingenommen. Ich spiele Gitarre und hab bisher nur in der Gruppe zusammen auf der Straße gespielt. Das macht mir am meisten Spaß. Außerdem ist das Camp richtig gemütlich, Nachts mit Lagerfeuer und vielen anderen Musikern die dazukommen und singen oder spielen. Für Essen und Lagerplatz ist gesorgt und außerdem liegt der Platz zum campen direkt am See. Naja, ich komm ins Schwärmen
    Dachte vielleicht könnte es dich interessieren!
    Würd mich über eine Nachricht freuen.
    LG

  26. Nach oben    #26
    Avatar von Kabelaffe
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    Ueckermünde, die Schwaben und die Polizei

    Es wird ein etwas längerer Text, muss ich aber unbedingt loswerden, bevor ich es vergesse. 4. August 2013

    So wie in jedem Jahr war ich in Ferien in Ueckermünde (Stettiner Haff). 18 Tage täglich 1 - 3 Std. Akkordeon auf Markplatz mit Duldung. Am 19. Tag fielen die Urlauber aus dem Ländle ein - der Geiz in den Augen. Fast alle aus Stuttgart - Pauschalreise. Die dachten, sie waren an der Ostsee - Pech gehabt.

    Was finden die auf dem Markplatz vor den Kneipen ? - mich mit "schaffe, schaffe, Häusle baue" und "schwäbsche Eisebahne"... Das muß ein solcher Schreck für die gewesen sein, dass sie nicht mal in der Lage waren, meinen mittig aufgestellten Hut zu finden. Ich hatte einfach keine Lust mehr, mich für Lau abzuackern, wollte als letztes "kein Bier auf Hawaii" interpretieren um dann mal versuchsweise mit dem Hut an die Tisch zu schlendern.

    Am Ende der 2. Strophe nach dem 1. Refrain schlich ein Polizeiauto heran, aus dem sich zwei Figuren herausquälten, die Hand an die Dienstwaffe legten und zielstrebig auf mich zukammen. Komisch - der eine sah in den Hut und verzog die Mundwinkel so verächtlich. Ich sagte nur "kommen Sie näher, kommen sie rann, hier werden Sie genauso beschissen wie in der Disco nebenan" und "haben Sie einen besonderen Musikwunsch". Die Antwort war jedoch "nee, nee, wir kommen, weil sich ein Anwohner beschwert hat, die Musik ist zu laut". Ich antwortete "moment, bin gleich fertig" und machte noch den Schlussakkord - "bumm,bumm,bumm" und zog den Finger schaurig und langsam über alle weiße Tasten von unten nach oben.

    Dann empfahl ich den beiden, die wohl nicht so richtig wussten, was sie machen sollten, einen Platzverweis für diesen Tag, morgen würde ich wiederkommen. Einer der beiden Flitzpiepen baute sich neben mir auf und sagte laut und deutlich in meine Spielrichtung "hiermit erteile ich Platzverweis". Mein Marktplatzpublkum verfolgte aufmersam die Szenerie - ein Erlebnis für die Schwaben. Ich sagte ebenso laut und deutlich zu den beiden Flitzpiepen "das trifft sich gut, dann passen Sie mal auf die Quetsche auf" sprang von meinem Hocker zum Hut und mit letzterem an die Kneipentische. "tut mit leid - liebe Leute - Platzverweis - Ende der Vorstellung, zu laut, bitte kleine Spende".

    Ihr glaubt garnicht, wie spendabel Schwaben plötzlich sein können. Von jedem Tisch kam Geld, etwas abseits hatte ich einen Schwaben übersehen, der kam noch hinter mir her. Erstaunlich, denn von circa 40 Schwaben hatte ich runde 60 Euro im Hut. Die große Sauerei war eigentlich nur, dass die beiden Flitzpiepen nicht (wie befohlen) auf meine Quetsche aufgepasst haben. Die hatten sich still und heimlich vom Markplatz geschlichen. Mit Auto.

    Ich hätte ja auch was aus dem Hut genommen und den beiden hingehalten, da hätten die Schwaben noch was zu lachen gehabt.

    Der Beschwerdeführer ist mir bekannt, er wohnt in 100 m Entfernung im dritten Stock eine Wohnhauses und hat mir vor 2 Jahren mal das Ordnungsamt auf den Hals gehetzt. Mit ähnlichem Erfolg, seitdem spielte ich unbehelligt.

    An den weiteren Tagen passierte trotz meiner Musik nix mehr, ich hoffe, jetzt endlich Narrenfreiheit zu haben. ich wurde wegen des Widererkennungeffektes von meinen Zuhörern allerdings mehrmals beglückwünscht mit "schön und schade, das Sie aufhören mussten", einer brachte mir 2 Tage später einen 5-Euro-Schein an den Tisch, wo ich ein Bierchen trank.
    Und es schallte "Mammi, Mammi, da ist der Onkeli mit dem Quetschkommodli !"

    Freude schöner Götterfunken.

  27. Nach oben    #27

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    Geldern

    Hallo soul4life,

    danke für die Info. Hab dir ne PN geschickt.

  28. Nach oben    #28

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    Straßenmusik in Münster

    In diesem Monat hatte ich es mal in Münster versucht. Leider kamen mir eine Gruppe "Hare-Krishna" in die Quere. Die liefen durch die Fußgängerzone und spielten so laut, dass man sie schon von über einem Kilometer hörte, mit Marktschreiermikro und so. Irgendwann hab ich sie nicht mehr gehört und ich dachte mir, hier und jetzt kannst du anfangen.

    Als ich dann spielte, kamen die plötzlich wieder näher und schon bald hörte ich meinen eigenen Gesang nicht mehr, obwohl die noch gut 100 Meter von mir wegwaren. Dann blieben sie auch noch stehen und sangen und tanzten. Logisch, dass irgendwann die Polizei kam. Zwei Polizisten in einem VW-Bus. Die Krishnajünger verzogen sich daraufhin, ich spielte weiter, aber die Polizei blieb stehen, im VW-Bus, ca. 50 Meter von mir entfernt und beobachtete mich.

    In Münster gilt die Regel, man darf eine halbe Stunde spielen und man muss zur vollen Stunde anfangen. Als es halb sechs war, hörte ich lieber auf, weil ich keine Lust auf Stress mit Grünweis hatte. Und als die Polizei sah, dass ich pünktlich um halb einpackte, fuhr sie weg. War ja klar, die warfen mich mit den Krishnas in einen Topf. Egal wie laut oder leise du spielst, du bist Straßenmusiker und wirst halt nur geduldet. Und wenn an einem Tag irgendeiner die Regeln nicht beachtet, schauen alle genaustens hin und dulden keine Regelverletzungen. Ich war mir sicher, wenn ich nicht von selber aufgehört hätte, hätte ich einen Platzverweis kassiert.

    Leider war ich an diesem Tag noch gar nicht mit allen meinen Songs durch, aber ich hatte dann auch keine Lust mehr, eine halbe Stunde zu warten und dann von vorne zu beginnen. Ansonsten war es aber nett in Münster, viele junge Leute und eine offene, freundliche Stimmung.

  29. Nach oben    #29
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    Zitat Zitat von katu Beitrag anzeigen
    In diesem Monat hatte ich es mal in Münster versucht.
    Münster, die Stadt mit verliebten Schwan vom Aasee und des westfälischen Friedens. Da hat mal meine Tante im Mutterhaus der evangelischen Diakonissinnen gewohnt. Jetzt auf dem Friedhof. Die besten sterben zuerst.

    Wenn Du in der Lage wärst, während des Gehens zu musizieren (mit Gitarre und umgeschnallten Marktschreiermikro) hättes Du genauso wie die Krischnahaare einen ständigen Standortwechsel und die berittenen wildwest-Cowboys von der Gebirgsmarine können Dich sonstwo. Bloß keine Demut zeigen wegen des Mikros - Du bist schließlich ein Künstler. Als Sammelbehälter bastelst Du ein kleines Piratenschiffchen aus Pappe (€ - Zeichen auf dem Pappsegel) und ziehst das ganze Bromborium an einem 2 m langen Strick hinter Dir her. Du darfst jederzeit die Deutsche Nationalflagge verwenden - bei dieser Konstruktion eine kleine an der Mastspitze. Der Mast muß 1 m hoch sein, damit keiner drüber fällt. Somit unterscheidest Du dich absolut von allen Krischnahaaren und allen anderen eingereisten Möchtegerneuropäern.

    Die Verordnung dient ja auch nur dem Zweck, eine unzumutbare Belästigung von Eingebohreren zu verhindern. da müssen im inneren von Gebäuden ertmal 40 dB/A -kannst ja selbst ergoogeln- längerzeitlich überschritten werden. Bundesemissionsschutzgesetz - darf nicht weiter eingeschränkt werden. Gegen den Bußgeldbescheid ziehst Du vor den Kadi, gib genug Zeugen an, damit die Stadt ordentlich Zeugengeld blechen darf.

    Das mit dem Piratenschiff hab ich mit Akkordeon gemacht, allerdings ohne Gesang. Probier es aus und Du wirst hören "Mama, Mama, haste mal nen Euro". Ich garantiere dafür. Du kannst auch einen Hut hinterherzerren (mit Bleigewicht, damit die offene Seite immer oben ist) Ich selbst hab das mit Hut auch schon so gemacht, da setzt ich immer die Deutschlandfahne darnn. Darüber freuen sich sogar die Türken -kaum zu glauben, aber Tatsache. Manchmal muss man sich auch zum Narren machen können.

    In Ueckermünde - mein anderer Beitrag- hat nach meiner höflichen Bescherde bei der lieben Sachbearbeiterin, der ich erklärt habe, dass mein Akkordeon zwar 90 dB/A machen könnte, wenn ich wollte, aber selbst dann eine lineare schalltechnische Freiraumdämpfung von 30 dB/A pro 10 m Abstand stattfindet und die Quetschkommode bei geschlossenem Fenster (die waren ja teuer genug) eigentlich in ihrem Büro leiser sei, als wenn der Alte sie ruft, ein Denkprozess eingesetzt. Schade- sagte sie- höre sie ja kaum was. Jetzt sind ertsmal die Bullen die Bösenwichte - Aktion ohne jede rechtliche Grundlage. Hab ich bei den Oberindianern in dieser schwarz verseuchten Nachbarstadt an der Peene nachgefragt, wie denn die Tagebuchnummer des Polizeieinsatz lautet. Ich bräuchte den gemessenen Schallpegel. Aha - ham wa nich, was wolln se noch !

    Ich soll jetzt einen Antrag stellen - Denkste Puppe. Kommunikativer Gemeingebrauch Musizieren benötigt keinen Antrag. Die dürfen auch ohne Antrag "keine Bedenken" äußern. Aber bitte schriftlich.

    Die Ereignisse überstürzen sich in diesem Sommer. Die Zigeunermusikantenfamilie in Hildesheim bin ich wohl auch erstmal los. Ich saß da und dudelte mal gerade so 10 Minuten, als die sich vor mir aufbauten. Kollegga, du aufhören, jetzt machen meine Leiute Lied. Musste ich tatsächlich von meinem Hocker aufstehen, ein paar Schritte zur Seite gehen und fürchterlich falsch spielen. Die Aktion hört und sieht der ganze Marktplatz - runde 200 Menschen. Totenstille. Habe ich weitergespielt und die Zigeuner haben in 30 m Abstand in voller Lautstärke zwei Lieder mittenrein geschrien. Dann geht der Oberzigeuner auch noch an die Tische zum Sammeln. Hab ich wärenddessen "lustig ist das Zigeunerleben" gespielt und die Sache war geritzt. So etwa von drei bis fünf Menschen hat er was gekriegt. Manchmal muss man ein Schein sein im Leben, ich habe dann noch das Deutschlandlied und "die Gedanken sind frei" instrumental nachgereicht und nach meiner halben Stunde Limit (die Ausfallzeit durch Zigeunermusik selbstverständlich nachgeholt) auch mal mit Hut an den Tischreihen langgegangen. Kurz vorher sah ich die ganze Kaschmoke mit Kind und Kegel hoch erhobenen Hauptes abrauschen. Der Schuss ging nach hinten los. Wenn Blicke t*ten könnte. Ich hab manchmal einiges im Hut, aber an diesem sonnigen Freitag - kaum zu glauben. Ich trage Hosenträger - die musste ich kürzer machen, weil mir die vollen Taschen sonst die Hose runtergezogen hätten. 1 Kilo Münzen in jeder Hosentasche macht schon was her. Da muss man aufpassen, dass die Scheine nicht rausfallen.

    Einige am Tisch - das sind die, die sich nicht bewegen, wenn mein Hut kommt- habe ich übersehen. Die haben noch mit erhobener Hand hinterhergerufen "hier - hier- ich auch".

    Bisher habe ich immer gewartet, bis die Sinti oder Roma fertig waren. Nach diesem Vorfall hat der Verdrängungswettbewerb eingesetzt. Ich verspreche hoch und heilig, dass ich jede Gelegenheit nutzen werde, mein Recht auf Gemeingebrauch auch gegenüber meiner Mitbetrüger durchzusetzen. Der Herr erlöse uns von dem Übel. Mistjob! irgendeiner wollte hier Straßenmusik machen - sollte er sich gut überlegen. Das sind hier beileibe keine lustigen Anekdoten.

    Ich muss hier auch noch etwas loswerden, dient mir quasi als Tagebuch:

    Heute Flohmarkt mit Veranstalter auf dem Marktplatz von Alfeld (Leine). Die Flohmarktbetreiber können sich keine Musik leisten wegen der Musikerausbeutungsgesellschaft. Versuchsweise jungfreulich und ohne jede Anmeldung auf diesen Markt maschiert und einen gestikulierenden -wie Sancho Pansa- gefragt, ob ich ganz hinten in die Ecke soll - da wo die Türken wohnen. Ich hab mit allen Schikanen gerechnet - Sancho Pansa war der Boss der ganzen Truppe. Wieso in die Ecke ? Du kommst in die Mitte. Aber mein Hut ? Der auch ! Gesagt-getan-Superwetter. An, auf, hinter, neben, über, unter, vor und anscheinend auch in mir das pure Leben: schreiende Kinder, meckernde Mütter (die Väter standenden an der Bierbude -später saßen sie da), klappernde Fahradschutzbleche auf Kopfsteinpflaster, einem sprang genau vor mir die Kette ab und wurde örtlich repariert, durchsichtige Miniröcke und viel schlimmer noch das gerade gebraut erhökerte Kinderspielzeug wie Trecker und Plastikautos zum Draufsetzen. Auch auf Kopsteinplaster. Und dann diese Gepäckkarren, wo das Zeugs mit gekarrt wurde. Ein Horror ! Aber leider ist es wohl so, dass die Leute auf dem Flohmarkt mehr sehen als hören. Sancho Pansa sah sich genötigt, nach 3 Liedern mal den Anfang zu machen mit Geldeinwurf. Verflucht, lief das zähflüssig. Er kam dann alle paar Lieder vorbei und sah in den Hut. Ich mache den immer wieder leer, aber nicht wegen der Türken. Die sind ehrlicher als ich. Hat er nicht mitbekommen und sah nur wenige kleinkalibrige Münzen. Nach drei Stunden hatte ich eine Hosentasche voll. Hat er gesehen, wie ich die Quetschkommode einpackte. Da kam Sancho Pansa seine Frau und sie würde gern meinen Hut nehmen und sammeln gehen. Aha - soll se doch. Hat se auch - hat genau vier Titel gedauert, bis sie wieder da war. Ich hab noch hinter ihr hergerufen "nicht die Aussteller, die Passanten", hat sie "die Aussteller und die Passanten" verstanden. Dumm war nur: in der Zwischenzeit stand mein Hut nicht parat. Oberdumm: nicht so einfach, den anderen Spendern während des quetschens ohne Quetschunterbrechung zu verklickern, das Geld doch ausnahmsweise mal auf meinen Hocker neben mir legen zu dürfen.
    Als dann noch einer ankam und meinte, sein fünfer würde wegwehen, kam ich vollends durcheinander. Kaum ist der Hut weg, kommt die Kohle. Komisch - komisch. Endlich, nach 5 Stunden mit ganze kurzen Unterbrechungen war auch meine zweite Hosentasche voll. Zum Glück hatte ich vom Vortag noch die Hosenträger kurz.

    Moral von der Geschichte: Ein Straßenmusiker braucht zwei Hüte. Sonntag -oh Schreck-heute- Hildesheim, wenn Kachelmann nicht zuschlägt. Verdrängungswettbewerb weiter bearbeiten.

    Ich wünsche allen Straßenmusikanten und denen, die es werden wollen, fette Beute.

  30. Nach oben    #30

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    Ich kann trotz ein paar negativer Erfahrungen insgesamt nur Positives berichten. Ich bereue es bisher überhaupt nicht, mit Straßenmusik angefangen zu haben. Ich kann allerdings auch sagen, dass ich nicht davon leben will und zum Glück nicht muss und das Geld, was ich bekomme, ist mir nicht so sehr wichtig. Klar, ist es schön, wenn Leute etwas geben. Es ist ja auch eine Art Anerkennung. Ansonsten ist das Wichtigste für mich in erster Linie die Erfahrung, die ich sammeln kann, wenn ich auf der Straße stehe. Einen besseren "Proberaum" gibt es eigentlich kaum.

    Ich hab inzwischen für mich übrigens ganz klar entschieden, dass ich auf der Straße erstmal ohne elektrische Verstärkung auskommen will. Ich finde es am schönsten, wenn die Leute mich sehen und dann näher kommen, um zu hören, was und wie ich singe und spiele. Gut es es, wenn man neben ein paar Sitzbänken in der Fußgängerzone spielt. Da haben sich dann schon öfter Leute hingesetzt und einfach da gesessen und zugehört.

  31. Nach oben    #31
    Avatar von Kabelaffe
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    Zitat Zitat von katu Beitrag anzeigen
    Gut es es, wenn man neben ein paar Sitzbänken in der Fußgängerzone spielt. Da haben sich dann schon öfter Leute hingesetzt und einfach da gesessen und zugehört.
    Die Banksitzer kenne ich alle, ich seh denen schon von weitem an, was die wollen: Unterhaltung auf Lau. Die glotzen mich an wie eine Kuh wenn´s donnert und sagen nicht mal Danke. Seit diesem Sommer animiere ich zum Beifall, indem ich mir erst deutlich sichtbar selbst auf die Schulter klopfe und dann selbst kurz Beifall klatsche. Da machen die meistens mit und dann seh ich auch, ob die überhaupt Hände haben zum Geld aus Tasche holen.

    Ich habe auch mal so aus Neugierde ohne jede finanzielle Absicht angefangen. Dann kam eins zum andern. Weil sich Leute bei mir mit Handschlag bedankt haben, statt den schnöden Mammon einfach so hinzuwerfen, wurde ich süchtig. Ich darf garnicht an die vielen Zusprüche denken, sonst werde ich noch überheblich.

    Hast Du schon mal gesehen, wie sich ein dreijähriges Kind freuen kann, wenn es sich vorsichtig und schamhaft Deinem Sammelbehälter nähert, vorsichtig den Euro von Mammi einlegt und Du ein freundliches "Danke" sagst ?

    Da brauchste kein Geld, das reicht schon so für den ganzen Tag.

    Bei den Spendern gibt es drei Hauptkategorien: 1.Knaller (geht dicht am Hut vorbei und knallt rein), 2.Werfer (stellt sich 1 m neben den Hut und versucht, zu treffen) 3.Leger (stellt sich direkt vor den Hut und legt in gebückter Haltung ein, dabei beobachtet er, ob Du auch siehst, wie und was er einlegt). Letzterer erwartet ein "Danke", vorher guckt er nicht wieder weg.

    Hast Du schon mal gesehen, wie sich 10-jährige Mädchen einer Fünfergruppe freuen können, die in der Nähe stehen, dort die wenige Cent Taschengeld zusammenkramen und einlegen, obwohl Du nur ein Lied von Oma gespielt hast und dann "schööön gemacht" sagts ?

    Hast Du schon mal erlebt, wie eine ältere, gehbehinderte Dame 100 m weit quer über den Marktplatz humpelt und sich mit Tränen in den Augen im Auftrag ihres rollifahrenden Mannes für "es klappert die Mühle" bedankt und Dir erzählt, ihr Mann war einst ein Wassermüller ?

    Erst wenn Du das erlebt hast, bist Du ein Straßenmusiker.

  32. Nach oben    #32

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    Zitat Zitat von Kabelaffe Beitrag anzeigen
    Mein Programm ist auf Geld ausgerichtet - ob der eine odere andere was daran auszusetzen hat, ist mir wurscht.

    Ende der Vorstellung
    Hauptsache ist doch, dir macht es Spaß und Freude, Musik auf der Straße zu machen. Und wichtig ist, dass dir gefällt, was du tust, oder? Wie ist das denn, wenn dein Programm auf Geld ausgerichtet ist? Liebst du das, was du tust? Oder geht es nur noch um Kohle?

    Es gibt ja Künstler, die hassen, was sie machen, tun es aber immer und immer wieder, weil es Geld bringt.

    Ich hoffe, du gehörst nich zu denen

  33. Nach oben    #33
    Avatar von Kabelaffe
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    Zitat Zitat von katu Beitrag anzeigen
    Hauptsache ist doch, dir macht es Spaß und Freude, Musik auf der Straße zu machen. Und wichtig ist, dass dir gefällt, was du tust, oder? Wie ist das denn, wenn dein Programm auf Geld ausgerichtet ist? Liebst du das, was du tust? Oder geht es nur noch um Kohle?

    Es gibt ja Künstler, die hassen, was sie machen, tun es aber immer und immer wieder, weil es Geld bringt.

    Ich hoffe, du gehörst nich zu denen
    Antwort fällt schwer. Freude bereitet mit das immer das Drummherum, Spaß macht mir manchmal das Verhalten der Menschen (auch das ablehnende Verhalten, wenn z.B. die Mutter ruft "Kind komm da weg") Bestätigung bekomme ich oft durch Zusprüche wie "schöne Musik" und Erfolg ist für mich tatsächlich nur im Hut sichtbar.

    Gestern Hildesheim: Geldspenden von den Kellnern (!) der Gastronomie -die hören schon jahrelang mein Gedudel und müssten eigentlich die Schnauze voll haben-, dann kam mal wieder die Rumänentruppe und baute sich vor mir auf, während ich spielte. Meine Zuhörer kamen zu meinem Hut und schoben die Rumänen zur Seite, um bei mir zu spenden. Die Truppe zog von dannen.
    (nicht, dass ich was gegen Rumänen habe - Konkurenz belebt das Geschäft - bisher immer meins).

    Manchmal macht, so gesehen, auch der Konkurenzkampf Spaß, wenn man weiß, was passiert.

    Meine folgenden Titel wurden jeweils mit Applaus belohnt - mal aus der einen, mal aus der anderen Ecke. Eine Gruppe aus der Stadtführung erschien abends, ich spielte etwas leiser, damit ich den Vortrag nicht störe. Am Ende hieß es wieder "schöne Musik".

    Das Geld ist nicht immer wichtig, doch gibt es mir Gelegenheit, auch mal entfernte Orte aufzusuchen (Spritgeld), wo ich vorher weiß, das ich dort wegen weniger Menschen nicht viel bekomme. Ich verheize alle 2 Jahre ein Akkordeon aus China und 2 Klapphocker - muß ja auch irgendwo herkommen. Irgendein Oberkamel hat mir meine rote Weste geklaut (auch aus China) = 20 Euro Schaden. In Ueckermünde ist auf dem Fußgängermarktplatz ein ortsansässiger Mac-Pomm-Platzhirsch mit seinem Moped über meinen Mikel-Jackson-Hut gedonnert. Natürlich abgehauen. Seine Pommes musste er vorher jedes einzeln holen, damit er seine Donner-Show mit der Simson abziehen konnte. Jetzt lagen die Pommes zusammen mit meinem Geld gemischt auf dem Kopsteinpflaster und meine Zuhörer sammeln den ganzen Kram ordnungsgemäß wieder ein: die guten in´s Töpfchen, die schlechten in´s Kröpfchen. "spielense weiter, wir machen datt schon".

    Da kommt echt Freude auf.

    Und dann seh ich noch die ausgebildeten Gitarristen da stehen -manche sogar studiert auf der Akademie- schleppen die Dinger im Standardrucksack durch die Straßen um die Weiber neugierig zu machen. Die sind nicht mal mehr in der Lage, die zusammengehörenden Tonika, Doinante und Subdominante auf Anhieb zusammenzubekommen. Wenn se nich klarkommen, versuchen se datt nächste Lied. Nichts wird zu Ende gespielt. Wenn ich mal einen anspreche "gibt mal her, die Klampfe, ich zeig dir mal was" heisst es wieder "aber ich bin doch ausgebildeter Musiker".

    Ein Musikpädagoge einer Musikschule (standardmäßig schwarz gekleidet) steckte mir mal, die Kunden -meisten ja Kinder, die merken´s noch nicht- wollen und müssen auf Anweisung der Eltern mindestens die Titelmusik "titanic" auf der Gitarre nachspielen können. Das wird nach 1 Jahr Leergang mit 1 Stunde täglich nix, für das zweite Jahr haben die Eltern keine Kohle und dann geben die Kinder auf. Welche Kinder aufgeben werden, kann ich vorhersehen: die gehen mit MP3-Playern im Ohr zur Musikschule und kommen damit auch wieder raus. Ich bin mir nicht sicher, ob die Ohrhörer im Unterricht mal rausgenommen werden.

    Ich bin so frei und setze mich oft vor diese Musikschule. Die abfälligen Blicke der "schüleranliefernden Eltern" gehen mir am Arsch vorbei. Selbige Eltern werfen mir tags später in einer anderen Straße Geld in den Hut, während die Kinder sich in der Musikschule mit Tab´s abrackern müssen.

    Auch eine solche Beobachtung macht Spaß.

    Da ich ständig auf der Suche bin, wie ich meine Discografie erweitern kann -einige meiner Interpretation gehen mir selbst auf den Keks und immer nur C-Dur macht Tinnitus- hab ich den Herrn Musikpädogogen in schwarz mal gefragt, was denn zur Zeit an melodiebehafteten und bekannten Speisen aus der Musikindustrieküche so angesagt ist -also das, was auch Gesang Sinn macht und leicht läuft-. Außer einem "Aha, äääääh, ja vieleicht" und "muß mal überlegen" kam da nichts. "Doch" sagte er noch "spiel doch die "Nordseewellen" und er meinte "Wild roover". Ich werden nie wieder fragen.

    Heute nach 15 Uhr Webcam Bildmitte beobachten, jede Minute neues Bild (mehr als Einer sind die Konkurenten)
    http://rathaus-hildesheim.de/webcam/


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